Wenn Kultursenatoren Alpträume hätten (sie werden ihnen aber bei Amtsantritt verboten), dann könnte ein besonders schrecklicher des Berliner Kultursenators Ulrich Roloff-Momin so aussehen: Auf jedem Fest, auf jedem Empfang hängt der Dramatiker Rolf Hochhuth an seinem Portepee, bewirbt sich um jede auch nur ansatzweise vakante Berliner Schauspielintendanz und dient aller Welt sein Konzept eines Autorentheaters an. Seit über zehn Jahren geht Hochhuth mit diesem Plan hausieren: Nieder mit den Regisseuren! Autoren an die Macht!

Zum allgemeinen Entsetzen protzt Hochhuths Konzept in wilder Mischung mit so unterschiedlichen Namen wie Erwin Piscator und Esther Vilar, George Bernard Shaw und Ellen Schwiers, Peter Ustinov und Otto Schenk. Man muß schon schwitzen, wenn man nur daran denkt. Und das ist, schrecklich genug, erst die Wirklichkeit.

Jetzt der Alptraum: Peter Zadek verläßt die Direktorenrunde des Berliner Ensembles, und Brechts altes Theater, ein Sorgenkind des Kultursenators, scheint nach langem Intrigengerangel wieder zur Ruhe zu kommen. Da steht Hochhuth vor der Tür und ruft: "Grüß Gott, ich bin hier der neue Eigentümer! Setzt doch schon mal meinen ,Stellvertreter` auf den Spielplan!"

Und auch das ist - neuer Schweißausbruch! - Wirklichkeit.

Aber nicht ganz. Hochhuth ist nicht selbst an die Öffentlichkeit getreten (obwohl er es lieber so gehabt hätte). Es war ein Reporter, der rief: "Da geht Rolf Hochhuth, dem wird demnächst das Berliner Ensemble gehören!"

Aber nicht ganz. Es handelt sich um einen sehr komplizierten Alptraum.

Er beginnt nach der Wiedervereinigung - nicht die Zeit für das fröhlich erstarkende Selbstbewußtsein einer geeinten Nation, sondern für die penibel vorgetragenen Restitutionsansprüche von Alteigentümern enteigneter Güter und Gebäude. Man sah sie neben Immobilienspekulanten sich durch Grundbuchämter wühlen, immer still und heimlich - auf daß niemand ihnen in die Quere käme die einen, damit die Preise nicht in die Höhe schössen die anderen.