Peking

Dieses wunderbare Lachen! Ob er sein dreijähriges Töchterchen milde dafür schilt, daß es beim Abendessen alles, Fleisch wie Gemüse, in den Jasmintee tunkt; oder ob er davon erzählt, wie windige Verlage seinen jüngsten, auf den Index gesetzten Roman überall in China verbreiten, ohne daß er daran einen Yuan verdient - Mang Ke lacht herzlich, frei und ansteckend. Er ist ein heiterer Mensch.

Selbstverständlich ist dies keineswegs. Zehn Jahre lang hatte der heute 45jährige Schriftsteller Publikationsverbot. Ende der siebziger Jahre, zur Zeit der "Mauer der Demokratie", als viele Intellektuelle hofften, China werde sich mit den wirtschaftlichen Reformen auch politisch liberalisieren, gab Mang Ke gemeinsam mit dem Schriftsteller Bei Dao die Literaturzeitschrift Jintian (Heute) heraus. Vom Dezember 1978 bis zum Oktober 1980 konnte das Blatt erscheinen, das auch Übersetzungen von Heinrich Böll, Jewgenij Jewtuschenko oder Graham Greene veröffentlichte. Dann befahl der gerade an die Macht zurückgekehrte Deng Xiaoping, auf den die jungen Idealisten ihre Hoffnungen gesetzt hatten: Schluß mit den demokratischen Fisimatenten! Den Wortführer des "Pekinger Frühlings", Wei Jingsheng, ließ er für fünfzehn Jahre hinter Gitter sperren.

Mang Ke flog aus dem Schriftstellerverband, verdiente nichts bis 1988. Heute kann er wieder publizieren, viele Zeitschriften drucken seine Gedichte. Doch sein neuer Roman "Ye Shi" ("Wilde Sache") fand bei den Zensoren keine Gnade: zuviel Sex! Der Verlag, bei dem das Buch erschienen war, mußte die Auslieferung nach dem Verkauf von 130 000 Exemplaren stoppen. Trotzdem kann man den Roman im ganzen Land bekommen. Mang Ke schätzt, daß inzwischen über eine Million Kopien seines Buches nachgedruckt wurden - ohne Erlaubnis und ohne Tantiemen. Das Profitstreben ist bei manchem Verlag heute stärker als die Angst vor dem Zensor.

Sechs Jahre nach dem Tiananmen-Massaker sind die politischen Freiräume ein wenig größer geworden. Politische Debatten aber können nicht öffentlich ausgetragen werden. Es gibt heute keine Zeitung wie einst den Shanghaier Wirtschaftsboten, der 1989 Sprachrohr der liberalen Fraktion um KP-Chef Zhao Ziyang war und sich mit dem orthodoxen Propagandaapparat anlegte. In Peking löckt allein die Jugendzeitung bisweilen wider den Stachel; das Fernsehen zeigt nach den Abendnachrichten schon mal eine kritische Sozialreportage.

Noch diskutieren allenfalls kleine, abgeschlossene Zirkel über die politische Zukunft des Landes. Forderungen aus den Reihen der Dissidenten nach einem Mehrparteiensystem, einem Ende der Polizeiwillkür oder der Abschaffung der Arbeitslager will niemand veröffentlichen. In den Worten Mang Kes: "In China gibt es nur mutige Leute, aber keine mutigen Zeitschriften."

Vor sechs Jahren schlossen sich auch Journalisten den Studenten an, die auf dem Platz des Himmlischen Friedens demonstrierten. "Wir wollen nicht länger lügen", stand auf ihren Transparenten. Inzwischen legen die Redaktionen ihre