Der Friedensprozeß im Nahen Osten stockt. Der Graben zwischen Israelis und Palästinensern hat sich seit dem historischen Handschlag vor dem Weißen Haus im September 1993 noch vertieft. Anhaltender fundamentalistischer Terror hat das Vertrauen vieler Israelis erschüttert, während sich die Palästinenser als die Verlierer des Friedensprozesses sehen. Die jüngste Entscheidung der israelischen Regierung, palästinensische Grundbesitzer in Ostjerusalem zu enteignen, hat große Empörung hervorgerufen. Trotzdem müsse der Friedensprozeß weitergehen, erklärte Jassir Arafat, der zunehmend unter Druck aus den eigenen Reihen gerät. Um nicht den Frieden zu verspielen, plädiert David Grossmann für eine mutigere Politik der agierenden Arbeitspartei unter Jitzhak Rabin und ein stärkeres Engagement der Friedensbewegung.

David Grossmann, Jahrgang 1954, ist der wichtigste israelische Schriftsteller der jüngeren Generation. Der Journalist und Autor, der auch Arabisch spricht, hat immer wieder versucht, sich "der anderen Seite" zu nähern und sie zu begreifen. Vor einigen Wochen hatte er an einem Treffen zwischen israelischen und palästinensischen Intellektuellen in der West Bank teilgenommen. Sein Reportagenband über die Palästinenser, "Der gelbe Wind", war kurz vor Ausbruch der Intifada erschienen. Sein erstes literarisches Werk, "Das Lächeln des Lammes", beschäftigte sich mit der psychologischen Auswirkung der Besatzung auf die israelische Gesellschaft.