ZEIT: Postminister Wolfgang Bötsch hat seine Pläne für die Liberalisierung des Telekommunikationsmarktes verkündet und den totalen Wettbewerb von 1998 an ausgerufen. Was bedeutet das für den ganz normalen Telephonkunden? Werden die Gebühren sinken?

Arnold: Nein, das glaube ich nicht. Kommt tatsächlich ein total freier Markt, dann dürfte der Privatkunde davon im günstigsten Fall zunächst nichts merken. Denn Wettbewerb wird sich auf absehbare Zeit nur in den profitablen Marktsegmenten einstellen, und das bedeutet, daß lediglich etwa zehn bis fünfzehn Prozent der Kunden betroffen sein werden. Diese profitablen Märkte umfassen nämlich nur bestimmte Strecken und Regionen. Manche Kunden müssen sogar damit rechnen, daß ihre durchschnittliche Telephonrechnung auf längere Sicht höher ausfallen wird.

ZEIT: Warum?

Arnold: Die Telekom wird zwar dort, wo sich Wettbewerb einstellt, also zum Beispiel auf stark frequentierten Strecken oder in Ballungsräumen, ihre Tarife senken. Damit aber ist ein interner Ausgleich zwischen profitablen und nicht kostendeckenden Segmenten mittelfristig nicht mehr möglich. Dies wiederum heißt, daß dort die Tarife angehoben werden müßten, mit entsprechenden Folgen für einzelne Kundengruppen. Sollten der Telekom womöglich aus politischen Gründen auf Dauer solche Tarifkorrekturen untersagt werden, müßten neue Formen der Subventionierung gefunden werden.

ZEIT: Müssen also beispielsweise Kunden in dünn besiedelten Regionen künftig fürs Telephonieren tiefer in die Tasche greifen?

Arnold: Sicher nicht gleich am Anfang. Aber die Gesetze des Marktes lassen es nicht zu, daß Preise auf Dauer unter den Kosten liegen. Bislang galt das Prinzip, daß alle Kunden den gleichen Preis für dieselbe Dienstleistung bezahlen. Diese Durchschnittspreisbildung ist im Wettbewerb für keinen Anbieter mehr möglich. Der Markt wird eine Differenzierung bringen. Es gibt profitable und unprofitable Fernstrecken, ebenso wie Gesprächsarten im Nahbereich, die gewinnbringend sind oder ihre Kosten nicht decken. Und daran wird sich die Tarifpolitik aller Anbieter orientieren müssen.

ZEIT: Die Erfahrungen aus den Vereinigten Staaten und Großbritannien haben aber gezeigt, daß alle von der Liberalisierung profitieren.