Vom Ende des Krieges habe ich in einem englischen Kriegsgefangenenlager in Belgien erfahren. Damals hat mich spontan ein großes Gefühl der Erleichterung überkommen: "Gott sei Dank, es ist zu Ende." Die Angst war zu Ende, die Angst um das eigene Leben, die Angst vor dem Kriegsgericht und der Gestapo, die ganze Bedrückung durch die Nazis - alles dies war zu Ende. Eine Sorge allerdings blieb: Ich wußte nicht, ob und wie meine Frau das Ende überlebt hatte. Gleichwohl überwog das Gefühl der Erlösung. Zwar war die Zukunft ganz ungewiß, aber entscheidend war: Ich hatte den Krieg überlebt. Seit dem Beginn des Rußland-Feldzuges hatte ich die Niederlage Deutschlands erwartet. Trotzdem hatte ich, wie Millionen deutscher Soldaten auch, schlecht und recht die Befehle befolgt, die man mir gab. Aber nun hatte es auch ein Ende mit dieser schizophrenen Situation. Wir freuten uns, daß wir lebten - und daß wir noch genug Kraft hatten, neu anzufangen.