HÜRTGENWALD. - "Ich bin nur froh, daß es mir erspart geblieben ist, mit solchen Menschen zusammenarbeiten zu müssen." Siegfried Schmühl ist verbittert und enttäuscht. Dabei hatte sich alles so gut angelassen. Der Leiter des Bauamtes der Eifelgemeinde Kreuzau sollte Gemeindedirektor im benachbarten Hürtgenwald werden. Seine Wahl war so gut wie sicher, denn CDU, FDP und Grüne hatten sich auf den Parteilosen Schmühl geeinigt, das reichte für die Mehrheit.

Dann kam der Eklat: Knapp eine Woche vor der Wahl sagte Bürgermeister Arnold Thomas (CDU) die Ratssitzung ab. Der Grund: Reinhard Odoy, CDU-Chef in Hürtgenwald, hatte einen Anruf bekommen: "Wißt ihr denn nicht, daß der Schmühl nicht mehr in der Kirche ist?" Odoy reagierte prompt: "Ich rief sofort bei Schmühl an, und der bestätigte, er sei vor Jahren aus der Kirche ausgetreten."

Odoy kennt den Informanten, will seinen Namen aber nicht preisgeben. Nachdem die CDU Hürtgenwald erfahren hatte, daß ihr Kandidat nicht den Anforderungen des "C" in ihrem Namen gerecht wurde, liefen die Telephondrähte heiß. Auf einer Fraktionssitzung mußte Schmühl Rede und Antwort stehen.

Reinhard Odoy: "Zu uns hat er gesagt: ,Wenn das ein Problem für Sie ist, kann ich in die Kirche wieder eintreten. Ich weiß, die Gemeinde ist so schwarz und so katholisch, daß ein konfessionsloser Gemeindedirektor nicht drin ist.'" Wer so leichtfertig mit Kirchenein- und -austritten umgehe, sei als erster Bürger in Hürtgenwald fehl am Platze, meinte daraufhin Reinhard Odoy.

Schmühl will etwas ganz anderes gesagt haben: "Ich bin ein gläubiger Christ. Aus der Amtskirche bin ich ausgetreten, weil ich mit ihrem Verhalten in bestimmten Fragen nicht einverstanden war. Da gehe ich keine Kompromisse ein." Der CDU habe er erklärt, er könne sich vorstellen, wieder Mitglied der katholischen Kirche zu werden, wenn sich in diesen Fragen - zum Beispiel dem Verhalten gegenüber schuldlos Geschiedenen oder dem Zölibatszwang für Priester - etwas bewege.

Was diesen Fall für Hürtgenwalds politische Zukunft so brisant macht: Auch diese Gemeinde muß die Doppelspitze abschaffen, eine nordrhein-westfälische Eigenheit. Bislang stehen ein ehrenamtlicher Bürgermeister, zur Zeit Arnold Thomas, und ein hauptamtlicher Verwaltungschef, dessen Stuhl nun schon mehrere Monate leer ist, der Gemeinde vor. 1999 soll in Hürtgenwald der Gemeindedirektor zum hauptamtlichen Bürgermeister werden. So will es die CDU, die stärkste Fraktion im Rat. Daher muß der Gemeindedirektor und Nachfolger von Bürgermeister Thomas den Konservativen schon heute im Rat gefallen.

Ob die CDU den Kandidaten Schmühl nun wegen seiner Konfessionslosigkeit abgelehnt hat oder wegen seiner angeblichen Charakterschwäche, ist umstritten. Der Bürgermeister gibt zu diesem Thema keine Stellungnahme mehr ab. Zu schwer haben ihn die Angriffe getroffen. Der politische Gegner warf den Christdemokraten aus der Eifel "politisches Hinterwäldlertum" vor.