Im Auftrag des Kölner Instituts für Massenkommunikation haben Alphons Silbermann und Francis Hüsers Ausmaß und Hintergründe des ",normalen` Hasses auf die Fremden" untersucht. Die gängige Bezeichnung "Ausländerfeindlichkeit" lehnen die Autoren als "verharmlosend" ab, da sie die "mit Rassismus verbundene" Begriffstradition verschleiere. Mit Hilfe des Emnid Instituts interviewten sie 1400 Deutsche in West und Ost und ermittelten, daß "ein Anteil von 15,5 Prozent aller Befragten als überdurchschnittlich stark fremdenfeindlich" einzustufen ist (mit einem "leicht höheren Durchschnittsgrad" in Ostdeutschland).

Im internationalen Vergleich könnte man dieses Ergebnis als Ausdruck einer gewissen "Normalität" hinnehmen, wenn da nicht doch deutsche Besonderheiten zutage träten. Fünf Prozent der Befragten (das sind, repräsentativ umgerechnet, weit mehr als vier Millionen Deutsche) "können die Menschen verstehen, die zur Gewalt gegen Ausländer aufrufen", und zwei Prozent (also knapp zwei Millionen) bekannten sich offen zu ihrer Sympathie für die mörderischen "Brandbomben"- Anschläge.

Die aggressive deutsche Fremdenfeindlichkeit ist nicht, wie ein liebgewonnenes Klischee suggeriert, ein typisches Unterschichtenphänomen, ein Produkt mangelnder Bildung und sozialer Unzufriedenheit. An der Spitze der "stark fremdenfeindlich" orientierten Deutschen stehen mit einem Anteil von 8,3 Prozent die Universitätsabsolventen. Im Vergleich dazu sind es bei Arbeitern mit Berufsausbildung lediglich 2,8 Prozent, und selbst die unterste Bildungsgruppe (Volksschüler ohne Lehre) bringt es "nur" auf 6,4 Prozent. Mit diesen Zahlen werden die jüngsten Erkenntnisse der Verfassungsschützer bestätigt. Der "intellektuelle Rechtsextremismus", so NRW-Innenminister Herbert Schnoor, habe beim Marsch durch die öffentlichen Institutionen beachtliches Terrain gewonnen.

Silbermann und Hüsers haben nicht nur direkt nach "Fremdenfeindlichkeit" und "Gewaltbereitschaft" gefragt, sondern auch moderat nach einer "ethnozentristisch-nationalistischen Grundhaltung", das heißt nach der Verbreitung des "Glaubens an kulturelle Überlegenheit, der Ablehnung von Multikulturalität und einem wirtschaftlich begründeten Nationalstolz". Auf einer fünfstufigen Punkteskala identifizierten sich 52,5 Prozent "etwas" mit dieser Grundhaltung und 35,9 Prozent "ziemlich" bis "stark". Die Grauzone zwischen Konservatismus und Rechtsextremismus - so scheint es - ist flächendeckend geworden.

Entsprechend deutlich formulieren die Manifeste der "selbstbewußten Nation": Linke Moral und parasitäre Verleumdung der abendländischen Kultur hätten den Willen zur Macht zersetzt. Da sei es kein Widerspruch, wenn spiegelbildlich zu Wehleidigkeit, Wehruntüchtigkeit und zum Verfall des Heroischen das Faustrecht wieder Anklang finde. Die intellektuelle Distanzierung von menschlicher Autonomie und historischem Fortschritt hat auch schon eine für die Zukunft entlastende Fatalismusformel gefunden: Das Böse kehrt zurück.

Alphons Silbermann/Francis Hüsers: Der "normale" Haß auf die Fremden

Eine sozialwissenschaftliche Studie zu Ausmaß und Hintergründen von Fremdenfeindlichkeit in Deutschland; Quintessenz Verlag, München 1995; 133 S., 39,80 DM