Die Verlobung wurde noch laut und fröhlich gefeiert. Alsbald solle die Vermählung erfolgen, hieß es im Februar. Durch die Fusion der Baden-Württembergischen Bank AG (BW Bank) und der öffentlichen Landesgirokasse (LG) sollte im Südwesten eine leistungsstarke Regionalbank mit einer Bilanzsumme von 54 Milliarden Mark und 7300 Mitarbeitern entstehen. Doch vergangene Woche wurde der Hochzeitstermin still und leise auf Sankt Nimmerlein verschoben: Die Trauzeugen waren nicht erschienen. Weil für die Fusion das Sparkassengesetz geändert werden müßte, um die dem Land und der Stadt Stuttgart gehörende LG zu privatisieren, signalisierten die Christdemokraten im Stuttgarter Landtag ihre Ablehnung. Sie fürchten, das Beispiel könne Schule machen und weitere öffentliche Geldinstitute zum Austritt aus der Sparkassenorganisation animieren.

Schon unter dem früheren Ministerpräsidenten Lothar Späth hatten die beiden Bankhäuser miteinander geliebäugelt. Und tatsächlich ergänzen sich LG und BW Bank aufs trefflichste. Denn während die zweitgrößte deutsche Sparkasse, die Landesgirokasse, vor allem auf das Massengeschäft ausgerichtet ist, kümmert sich die BW Bank traditionell um die "gehobene" Kundschaft und das Wertpapiergeschäft. Zusammengeschlossen würde die neue Baden-Württembergische Bank- Landesgirokasse AG - gemessen am Ertrag - immerhin auf Platz sechs im deutschen Kreditgewerbe rangieren.

Die private Wirtschaft und die Industrie- und Handelskammern befürworten seit langem eine Konzentration im regionalen Bankwesen - nach dem Muster der 1971 mit der Bayerischen Staatsbank fusionierten Bayerischen Vereinsbank. Allen voran wirbt der ehemalige Bosch-Manager Hans Merkle mit Blick auf den europäischen Binnenmarkt für eine Änderung des Sparkassenrechts. Denn das dort verankerte Regionalprinzip sichert den öffentlich-rechtlichen Instituten zwar ein Gebietsmonopol, hindert sie aber gleichzeitig daran, im europäischen Binnenmarkt mit Zweigstellen zu expandieren. Andererseits gibt es gerade im Südwesten keine leistungsstarke Privatbank, die das Interesse der regionalen Wirtschaft stärker berücksichtigen würde, als dies die großen Bankhäuser in Frankfurt bisher tun. "Der Finanzsektor in Baden-Württemberg", stellt Wirtschaftsminister Dieter Spöri fest, "ist unterdurchschnittlich entwickelt. Wir haben da ein echtes Defizit."

Die Sozialdemokraten in Baden-Württemberg, vornweg mit Spöri und Fraktionschef Ulrich Maurer, haben die Fusionspläne immer unterstützt. Die ablehnende Haltung des Koalitionspartners CDU, dessen Mitglieder vielfach als Kommunalpolitiker in den Aufsichtsgremien der Sparkassen sitzen, hat die traditionelle Front zwischen SPD und CDU verkehrt. Manager Merkle warf der Landes-CDU deshalb bereits vor, "eine staats- und planwirtschaftliche Politik der Erhardschen Marktwirtschaft" vorzuziehen.

Promotor der Fusionspläne ist seit vielen Jahren LG-Vorstandschef Walther Zügel. In der Privatisierung seines Instituts und in der Verschmelzung mit der BW Bank zu einer gemeinsamen AG, einschließlich eines Börsengangs in mehreren Schritten, sieht er eine "Stärkung des Bankenplatzes Stuttgart". Zügel klagt seit langem über das Sparkassenrecht, das ihm regionale Fesseln anlege. Zudem, so wirbt Zügel, könne die Stadt Stuttgart durch den Verkauf ihrer Anteile auf einen Schlag ihre Finanzmisere lösen: Eine Milliarde Mark würde die Stadt einnehmen - ein Argument, das Oberbürgermeister Manfred Rommel (CDU) schnell überzeugt hat: Er will verkaufen.

Doch die "Arbeitsgruppe Bankneuordnung" hat ihre Sondierungsgespräche beendet, ohne die starren Fronten aufweichen zu können. Von Anfang an hatten darin die Vertreter der Sparkassen klargemacht, daß sie eine Privatisierung der Landesgirokasse mit allen Mitteln verhindern wollen. Denn das hätte Signalwirkung, fürchteten sie. Und letztlich stünde das Ende des öffentlich-rechtlichen Bankensystems nicht nur in Baden-Württemberg, sondern in ganz Deutschland auf dem Spiel. Denn würden die finanzstarken öffentlich-rechtlichen Institute den Sparkassenverbund verlassen können und sich der kommunalen Aufsicht entziehen, hätte die Sparkassenorganisation plötzlich ein gewaltiges Problem: Die flächendeckende Versorgung mit Bankleistungen wäre gefährdet.

Aus diesem Grund befürworten die Sparkassen eine sogenannte Dreier-Lösung: den Zusammenschluß der öffentlich-rechtlichen Institute LG, Südwestdeutsche Landesbank und Landeskreditbank Baden-Württemberg unter einer gemeinsamen Holding. Dies aber geht der SPD nicht weit genug.