Bonn

Kann deutsches Geld helfen, in Afrika einen drohenden Völkermord zu verhindern? Ja! Das jedenfalls glauben drei Bundestagsabgeordnete, die gerade neun Tage durch Burundi und Ruanda gereist sind. Seit ihrer Rückkehr werben Uschi Eid (Bündnis 90/Grüne), Jochen Tappe und Werner Schuster (beide SPD) in Bonn um Unterstützung für den Versuch, "die brennende Lunte noch rechtzeitig auszutreten". Die Alternative sei klar: Fernsehbilder genau wie jene aus Kigali und Goma im vorigen Jahr.

"Hoffen trotz aller Hoffnungslosigkeit" - dieses Zitat von Simon Ntamwana, dem katholischen Bischof in Burundis Hauptstadt Bujumbura, dient den drei Abgeordneten als Motto ihrer Lobbyarbeit für mehr deutsches Engagement in Ostafrika. Immerhin signalisierten inzwischen mehrere Abgeordnete von CDU/CSU Interesse, darunter auch Karl-Heinz Hornhues, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses, der "möglichst schnell einen möglichst realistischen Antrag aller Fraktionen" formulieren will. Und weil auch Helmut Schäfer, Staatsminister im Auswärtigen Amt, kürzlich Vorschläge präsentierte, um "den Psychokrieg" in Burundi nicht zu einem neuen Massaker eskalieren zu lassen, besteht diesmal Aussicht auf einen überparteilichen Hilfskonsens. Noch vor einem Jahr dagegen waren parlamentarische Versuche gescheitert, 50 Millionen Mark für "präventive Diplomatie" bereitzustellen und so das Pulverfaß Ruanda zu entschärfen; seither hat die Bundesrepublik genau 313,8 Millionen ausgegeben, um nach dem Massaker Millionen von Flüchtlingen das Leben zu retten.

"Die internationale Gemeinschaft", so mahnt die Abgeordneten-Troika, "hat sich in Ruanda durch Wegschauen schuldig gemacht. Sie sollte am Beispiel Burundis zeigen, daß sie lernfähig ist." Die wichtigste Lehre lautet: Die Ursache von Bürgerkrieg und Massakern in beiden Staaten sei "die Armut, der Kampf ums Überleben". Der ethnische Konflikt zwischen Hutu und Tutsis werde nur von Extremisten instrumentalisiert und geschürt, die sich um jeden Preis Macht und Profite sichern wollten. Hutu-Politiker wie Burundis Präsident Sylvestre Ntibantunganya, aber auch gemäßigte Vertreter der Tutsi-Minderheit hätten betont: "Wir sind selbst für den Frieden in unserem Land verantwortlich, aber allein schaffen wir es nicht."

Als eine Hilfsmaßnahme schlagen Eid, Tappe und Schuster vor, die marodierenden Banden jugendlicher Tutsis und Hutu, die ganze Landstriche und Stadtteile mit Gewehren und Macheten "ethnisch säubern" wollen, gleichsam durch Arbeit zu entwaffnen. Gegen einen Jahreslohn von umgerechnet fünfhundert Mark ließe sich Beschäftigung schaffen, der Wiederaufbau vorantreiben und Extremisten wie Exdiktator Jean-Baptiste Bagaza oder Hutu-Führer Léonard Nyangoma die Gefolgschaft abwerben. Fünfhundert Mark für etwa eine Million Jugendliche - die nötigen fünfhundert Millionen sollten sich in Bonn und Brüssel auftreiben lassen.

Andere Ideen zur Konfliktentschärfung klingen bescheidener, zumindest finanziell: ein Programm von Existenzgründungskrediten für ehemalige Soldaten, Entsendung von wenigstens zwei internationalen Beobachtern in jeden der 115 burundischen Landkreise, Aufbau eines "Friedensrundfunks", Telephone und Faxgeräte für Burundis demokratisch gewählte Politiker. "Das ist alles humanitärer und weitaus billiger, als Blauhelme zu schicken, wenn die Toten schon am Straßenrand liegen", sagt Werner Schuster. Eine Bundesrepublik, die einen Sitz im UN-Sicherheitsrat und eine größere Rolle in der Weltpolitik anstrebe, solle sich nicht nur durch "Krisenreaktionsstreitkräfte" beweisen.

Die Suche nach langfristigen Lösungen, da bestätigen die drei Abgeordneten nur das Urteil vieler Afrika-Experten, verlange einen nationalen "runden Tisch", an dem - notfalls unter internationalem Druck - auch die Extremisten Platz nehmen müßten. Ohne Impulse aus Europa scheint auch eine längst überfällige Regionalkonferenz für Burundi und Ruanda unmöglich. Dabei müßten vor allem Zaire und Uganda eingebunden werden, die bisher Waffenhilfe an Hutu und Tutsis leisten. Die Ausrüstung der Hutu mit neuen Waffen, so bedauern die drei Parlamentarier, werde von Frankreich "zumindest gebilligt". Gleichzeitig scheine Paris die Versuche der Uno zu hintertreiben, die Schuldigen für das ruandische Massaker zu bestrafen. Wo jedoch die Justiz versagt, droht Rache.