Washington

Senator Alfonso D'Amato will nicht nur das Embargo gegen Teheran, sondern auch den amerikanischen Boykott ausländischer Firmen durchsetzen, die mit dem Iran Geschäfte machen, und er ist ein einflußreicher Mann. Robert Dole fordert, daß Präsident Clinton seine Moskau-Reise absagt, wenn Rußland nicht auf das Reaktorgeschäft mit dem Iran verzichtet. Dole ist republikanischer Mehrheitsführer im Senat.

Solche außenpolitischen Hammerschläge kann Bill Clinton nicht einfach übersehen. Auch die von Außenminister Christopher ungewohnt temperamentvoll vorgebrachten Motive, Bestrafung für Terrorismusbegünstigung und Beitrag zur Nichtverbreitung von Atomwaffen, spielen natürlich eine Rolle.

Clinton will sowohl gegenüber den Verbündeten als auch gegenüber Präsident Jelzin mit dem guten Beispiel eines entsagungsbereiten Amerika auftreten. Aber weil die Regierung in Washington weiß, daß sie mit ihrer Iran-Politik ziemlich allein dasteht, hat sie einen Antrag auf weltweites Embargo durch die Vereinten Nationen gar nicht erst erwogen.

Vor allem Boris Jelzin soll die amerikanische Haltung beeindrucken. Warren Christopher hat in den vergangenen Tagen gewarnt, daß der ölreiche Iran, obwohl er den Nichtverbreitungsvertrag unterschrieben hat, nicht so sehr die Atomenergie als vielmehr die Bombe wolle; die von den Russen zugesagte Anlage zur Urananreicherung sei dafür ein starkes Indiz. Bei seinen Gesprächen in Moskau will Bill Clinton nun mit den Erkenntnissen der amerikanischen Geheimdienste über iranische Nuklearwaffenpläne, vor allem aber mit dem Argument, daß es doch auch nicht im russischen Interesse liegen könne, den Iran zu einer Nuklearmacht aufzubauen, Boris Jelzin zur Umkehr bewegen. Kann Jelzin noch zurück, selbst wenn er will?

Die Russen rechnen sich mit der Lieferung von zwei Reaktoren und anderen Anlagen Geschäfte im Umfang von einer Milliarde Dollar aus. Das ist keine Kleinigkeit. Aber sind noch andere als kommerzielle Gründe im Spiel?

Der führende Rußland-Experte der Carnegie-Stiftung für Internationalen Frieden, Stephen Sestanovich, hat daran keinen Zweifel. Die geplante Nato-Erweiterung, meint er, habe die Voraussetzungen der außenpolitischen Debatte in vielen Bereichen verändert. Sie ermögliche es bestimmten Interessengruppen in Rußland, die Politik in Richtungen zu drängen, die dem russischen Eigeninteresse zuwiderlaufen. In einer anderen Atmosphäre hätte man, so Sestanovich, die kommerziellen Aspekte des Nukleargeschäfts mit den Russen durchaus diskutieren können. Mit anderen Worten: Rußland wird um so weniger Hemmungen haben, dem Iran eine Kernindustrie aufzubauen, je schlechter sich die Beziehungen zu Amerika gestalten.