Der Zufall wollte es, daß ich bei meiner ersten Reise von Deutschland in die Vereinigten Staaten zwei Tage vor dem Bombenattentat in Oklahoma City eintraf. Als ich die Berichterstattung im Fernsehen sah, wunderte ich mich über die Art, in der die Medien mögliche Verbindungen zwischen extremistischen Gruppen wie der Michigan-Miliz und dem Verdächtigen Timothy McVeigh behandelten.

Die Experten, die man befragte, und die Kommentatoren nehmen offenbar die Behauptung der Gruppe für bare Münze, sie trüge keinerlei Verantwortung, da sie ja mit dem Ereignis nicht direkt zu tun hätte.

Als Gründer einer solchen Gruppe in Europa, der ersten Neonazipartei der ehemaligen DDR [Die Nationale Alternative; die Red.], war ich der wichtigste Kontakt für mehrere amerikanische rechtsradikale Organisationen und einer der wichtigsten Verbreiter ihrer Propaganda. Bevor ich vor zwei Jahren die Bewegung verließ, organisierte ich Teach-ins, leitete paramilitärische Camps und indoktrinierte junge Menschen bei Märschen und Nazitreffen.

Meiner Meinung nach kommen die Führer der Michigan-Miliz und ähnlicher Gruppen nicht umhin, moralische Verantwortung zu übernehmen, ob sie nun schuldig sind oder nicht. Durch gedruckte Propaganda und Computernetzwerke schaffen extremistische Gruppen in Amerika und Europa ein Klima, das gesellschaftsfeindliche junge Menschen ermutigt, ihre letzten Hemmungen über Bord zu werfen und gewalttätig zu werden.

Es war 1987, als ich anfing, rechtsextremistisches Gedankengut zu entwickeln. Ich war neunzehn und saß in einem Ostberliner Gefängnis, weil ich öffentlich gerufen hatte: "Die Mauer muß fallen!" Als ich rauskam, begann ich heimlich mit einer kleinen militanten Gruppe zu arbeiten, die gegen die kommunistische Regierung war. Nach dem Sturz der Regierung knüpften andere Führer und ich Kontakte mit einem blühenden internationalen Netzwerk neonazistischer und rassistischer Bewegungen, und wir begannen, geheime Waffenlager einzurichten und paramilitärische Camps zu gründen.

Wie die Extremisten in Michigan verband uns der gemeinsame Haß auf die Regierung, außerdem der Glaube, daß unsere Freiheit und Traditionen als Weiße - oder, wie wir sagten: Arier - durch eine multikulturelle Gesellschaft bedroht würden. Zudem teilten wir einen allgemeinen Antisemitismus, wobei wir glaubten, die Juden hätten eine von New York und Washington ausgehende Verschwörung angezettelt.

Die meisten dieser Ideen hätten europäischen, antisemitischen Traktaten aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg entnommen sein können. Aber das war nicht der Fall. Unser gesamtes Propaganda- und Ausbildungsmaterial stammte von rechtsextremistischen Gruppen in Nebraska und Kalifornien. In den Vereinigten Staaten kann man, nach dem ersten Amendment zur Verfassung, solche Materialien legal drucken. In Deutschland nicht, das wäre gegen das Grundgesetz.