Bald nannte ich ihn Hansi, man wird schon sehen warum. "Zwanzig Mark an Arthur", sagte ich zu ihm, dann "Eins-Drei-Null-Vier", dann "Zwei-Null-Null-Null". Und wahrhaftig, am 13. April um 20 Uhr fing Hansi an zu piepsen. Ich drückte den "Play"-Knopf: "Zwanzig Mark an Arthur", quäkte der Kleine. Da rief ich flugs sein Telephonverzeichnis auf, denn es galt, Arthur noch ein Weilchen hinzuhalten. "Arthur", befahl ich, und Arthurs Nummer erschien auf dem Display.

Ein famoser Knecht. Die Firma hat recht, er gehorcht aufs Wort. Nie wieder in Terminkalendern blättern! Der Voice Organizer quäkt einem pünktlich zu, was man wissen muß, und immer ist er bereit zum Diktat. Er versteht die Zahlen von eins bis neun, die Wochentage sowie ein paar Befehle für besondere Aufgaben. Gut zwanzig Wörter. Das reicht, um Telephonnummern und Termine zu verarbeiten. Will man, daß zusätzlich zum Weckerpiepsen eine Nachricht erklingt, so spricht man sie ins Mikrophon, und Hansi birgt sie in seinem digitalen Speicher. Alles ganz praktisch. Aber das ist nicht die ganze Wahrheit, o nein. Denn vorher will Hansi trainiert werden.

Mit der digitalen Spracherkennung ist es so eine Sache. Selbst die paar Wörter, mit denen Hansi auskommt, muß man ihm erst sorgsam vorsprechen. Ich tat es. Dann der erste Test. Ohne weiteres nahm Hansi eine Nachricht entgegen, dann den Termin, an dem er sie abspielen sollte, dann den Befehl, das jede Woche zu tun. Es funktionierte. Nur die Finger taten bald weh. Unentwegt waren Knöpfe zu drücken. Oben, vorne, seitwärts, immer in der vorgeschriebenen Reihenfolge. Aber es funktionierte.

Nun der zweite Schritt: Telephonnummern eingeben. Es war zum Verzweifeln. Hansi verstand die Welt nicht mehr. "Eins", sprach ich, eine Neun erschien in der Anzeige, "Eins!" schrie ich, Hansi fing haltlos an zu piepsen. So ging es hin und her; am Ende piepste auch ich, um sein Vertrauen zu gewinnen, ohne Erfolg. Ich begann von vorn, sprach ihm alle Wörter vor, zwecklos. Ich versuchte es mehrmals an diesem Tag, vergebens. Er machte alles falsch und piepste ohne Unterlaß, bis ich plötzlich zweimal niesen mußte. Hansi notierte anstandslos "8" und "4".

Mir war, als sollte ich ihn jetzt auf den Boden werfen und zertreten. Ich hielt ihn schon in der Hand, da fiel der Batteriedeckel ab. Was soll ich sagen: Auf der Stelle alles vorbei, verraucht, vergeben. Ich machte dem Mistding einen Verband aus Klebstreifen. Am nächsten Tag setzten wir unseren Unterricht fort.

Und wirklich, es ging voran, wenn auch langsam. Manchmal steigt Hansi immer noch aus, wenn ich Telephonnummern eingebe; aber mir selber passiert das ja auch. Es ist nicht leicht, sich zu merken, daß man Phone-Phone-Edit-Phone-Phone-Save-Next-Save-Phone-Phone drücken muß, bis man die Nummer von Margit im Kasten hat. Aber es geht. Mit allzu vielen Namen und Notizen sollte man Hansi ohnehin nicht belasten. Sein Speicher faßt nur 512 Kilobyte; umgerechnet sind das drei bis vier Minuten für alles, was man ihm zu sagen hat. Da heißt es einteilen.

Aber man gewöhnt sich daran. Ich werde Hansi sogar in den Urlaub mitnehmen. Er hat es nötig. Seine Batterien halten kaum drei Monate; nicht auszudenken, daß er hilflos zu Hause läge, wenn es zu Ende geht. Denn nach dem ersten Alarm bleibt nur eine Woche Zeit, die Batterien zu wechseln. Andernfalls sind alle, alle Daten verloren.