Als Kind von George Soros, dem amerikanischen Finanzier ungarisch-jüdischer Herkunft, versteht sich die Stefan-Bathory-Stiftung als Propagandistin einer offenen Gesellschaft. Kein Dogma mehr wie im Kommunismus, keine übergeordnete Autorität sollen letzte Wahrheiten verkünden und das Zusammenleben regeln. Eine Gesellschaft könne vielmehr dann optimal ihre geistigen und materiellen Bedürfnisse befriedigen - denkt Soros in Anlehnung an Karl Popper, seinen geistigen Ziehvater in Londoner Studienzeiten - wenn sie dem Individuum die ungehinderte Entfaltung seiner Initiativen ermögliche. Deshalb, sagt Soros, verfolgen all seine Stiftungen in Ost- und Mitteleuropa den Zweck, die "Entwicklung einer pluralistischen und offenen Gesellschaft" zu fördern.

Den Open Society Clubs in Albanien, Bosnien-Herzegowina, Bulgarien, Litauen, Mazedonien, Rumänien, Jugoslawien und in der Slowakei wurde das Programm bereits in den Namen geschrieben; in Polen nannte sich die Stiftung - als besondere Referenz an den aus Ungarn gebürtigen Gründer und als Beispiel der engen Beziehungen zwischen den beiden Völkern - nach Stefan Bathory, dem siebenbürgischen Fürsten, der 1575 zum König von Polen gewählt worden war.

Der Anfang der Hilfe zur Selbsthilfe war so riskant wie unkonventionell. Überzeugt davon, daß der Kommunismus weder ökonomisch noch politisch den Herausforderungen des 20. Jahrhunderts gewachsen sei, bereitete sich der Selfmademan Soros früh auf seinen Untergang vor. Wenn nämlich, so Soros' Theorie über revolutionären Wandel, das Denken über die Welt so weit von ihrem tatsächlichen Zustand abweicht wie in der Sowjetunion und die Kluft zwischen Dogma und Realität sich eher vergrößert als vermindert, sind Desintegration und Zusammenbruch des Systems notwendige Folge. Seit 1985 baute er (und o Wunder: Man ließ ihn bauen) Inseln freier Initiativen von unten in noch zentralistisch regierten Ländern des Ostens auf: erst in Ungarn, dann in China und der Sowjetunion, schließlich in Polen. Im Mai 1988 wurde die Bathory-Stiftung im Warschauer Vereinsregister eingetragen.

Wissenschaftler, akzeptiert von den kommunistischen Machthabern, aber gleichzeitig unabhängig genug, um die Vorstellungen des Finanziers aus dem Westen zu befriedigen, bildeten den ersten Vorstand. Doch erst nach dem Zusammenbruch des Kommunismus gewann die Stiftung jenes Profil, das sie im wesentlichen bis heute prägt.

Mit Zbigniew Bujak wurde im Herbst 1989 ein alter Oppositioneller und Gewerkschaftsaktivist zum Vorstandsvorsitzenden ernannt, der schon in seiner Person die Verlagerung der Schwerpunkte signalisierte - weg von rein wissenschaftlicher auf gesellschaftsbezogene, praxisorientierte Tätigkeit. Seit jener Zeit organisieren Arbeitsgruppen - gleichsam als Kern der Stiftung - Forschungen und Wissensaustausch über politische und ökonomische Entwicklungen in Ostmitteleuropa. Bildungs- und Sprachprogramme für Schüler und Jugendliche, Hilfen für Frauen, sie entscheiden über Stipendien für Auslandsstudien, Subventionen für Verlage und einzelne Bücher, sowie karitative Zuwendungen.

Dem als Exekutive funktionierenden Vorstand trat im Juni 1991 ein beratender und kontrollierender Stiftungsrat an die Seite, dessen Vorsitz der in Polen überaus geachtete, langgediente Chefredakteur der Krakauer katholisch-liberalen Wochenzeitung Tygodnik Powszechny übernahm. Als Vorstandsvorsitzender agiert seitdem Aleksander Smolar. 1968 war er aufgrund einer antisemitischen Hetzkampagne nach Paris emigriert (wo er bis heute als Politologe am Centre National de la Recherche Scientifique arbeitet), nach 1989 verlagerte er den Schwerpunkt seines politischen Engagements als politischer Essayist jedoch wieder in die alte Heimat an der Weichsel. Im Vertrauen auf seine Warschauer Mannschaft konnte sich George Soros also beruhigt zurückziehen. Seit 1991 verzichtete er auf jeden unmittelbaren Einfluß.

Seit 1992 stammen nur rund 65 Prozent des Stiftungsfonds von dem guten Mann aus New York. Fünfzehn bis zwanzig Prozent treibt der Bathory-Vorstand bereits bei polnischen Betrieben und Banken auf (die diese Spenden, soweit funktionieren die Regeln bereits nach westlichem Muster, auch steuerlich absetzen können), der Rest wird von ausländischen Stiftungen beigesteuert: Friedrich-Ebert, Bosch, Ford Foundation, German Marshall Fund. Auch wenn sich das Budget zwischen 1991 und 1993 auf das Siebenfache erhöht hat, zählt die Bathory-Stiftung finanziell nicht zu den großen Soros- Institutionen.