Patent- Rezepte

Immer wenn Prominente erklären, es gebe keine Patentrezepte gegen Arbeitslosigkeit und Atomschmuggel, für innere Sicherheit und Termingeschäfte, ärgert sich die kreative Runde der Europäischen Management- und Marketing-Agentur (EMMA). "Für viele Probleme", sagt EMMA-Direktionsassistent Dr. Günter P., "liegen Patentrezepte auf der Straße. Man muß sich nur bücken!"

Drei EMMA-Mitarbeiter haben sich gebückt und Patentrezepte für drei aktuelle Problemfälle gefunden.

Methode M.

"Die Frühjahrsgutachten der Wirtschaftsinstitute", erklärt Kollege L., "weisen auf bedenkliche Unsicherheiten hin. Vor allem die Gewerkschaften und der Bundesfinanzminister mit seinen Steuern. Das Bild unserer Wirtschaft würde sich schlagartig aufhellen, wenn diese Unsicherheiten beseitigt würden. Mit der ,Methode M` ist das zu schaffen."

"Bitte erklären", sagt die Runde.

"M für Mielke! Wir kennen doch nun die Methode, mit der Staatssicherheitschef Mielke in der DDR im Krisenfall alle Unsicherheiten beseitigen wollte. Einfach aus dem Verkehr ziehen. Isolieren! Das System entlasten! Auf die neue Bundesrepublik übertragen: weg mit Gewerkschaften und Tarifen, weg mit Finanzminister und Steuern! Das garantiert blühende Wirtschaftslandschaften."

Methode Liz Taylor

Patent- Rezepte

"Die Pflegeversicherung", erklärt Kollege M., der Nestor der kreativen Runde, "hat mehr Verwirrung als Nutzen gestiftet. Und niemand weiß, wo das finanziell und menschlich endet. Der ganze Aufwand wäre unnötig, wenn wir uns an die Familienpolitik halten würden, die in einigen Regionen des frühgeschichtlichen Indien praktiziert wurde."

"Wie ging das?" fragt die Runde.

"Da hat jeder zweimal geheiratet. Also ein älterer Mann eine junge Frau, die ihn pflegte, wenn es nötig wurde, dann die Frau, als sie älter war, einen jungen Mann, der sie pflegte, dieser Mann, wenn er älter war, wieder eine junge Frau - und immer weiter, immer umschichtig, alles in häuslicher Pflege und ohne staatliche Abgaben und Zuschüsse."

Die Kollegen applaudieren dem Patentrezept. Der junge R. macht geltend, daß damit auch Ödipuskomplexe geheilt werden können. Kollegin S. weist darauf hin, daß der "Liz-Taylor-Trend" bei älteren Frauen schon zu jungen Männern gehe.

Methode N.

"Die Reformvorschläge für die deutschen Beamten", sagt Kollegin S., "gehen mit ihren Niedlichkeiten völlig am Kern des Problems vorbei, nämlich erstens, daß die Leistungen vieler Beamter mit Marktkriterien nicht zu bewerten sind. Und zweitens, daß sich der Graben des Mißtrauens zwischen Beamten und Öffentlichkeit immer tiefer gräbt. Beides regelt ein Patentrezept."

"Welches?" fragt die Runde.

Patent- Rezepte

"Beamte erhalten ein Grundgehalt gemäß Existenzminimum, wie vom Verfassungsgericht festgelegt. Dazu ein Leistungsgehalt. Dieses wird individuell nach Leistungsnoten ermittelt, die Bürger den Beamten erteilen; bei Beamten ohne Bürgerkontakt durch nachgeordnete Mitarbeiter. An Universitäten hat es schon Bewertungen von Professoren durch Studenten gegeben. Die Hochschulrektorenkonferenz möchte das ausbauen. Mit ,System N`, N für Noten, wird vor allem eine Benotung von Lehrern durch ihre Schüler eingeführt."

Die Kollegen sind begeistert. M. erinnert daran, daß Professoren in alten Zeiten nach ihrer Studentenzahl honoriert wurden, gemäß Marktwert ihrer Lehrveranstaltungen.

"Drei Patentrezepte auf einen Sitz", resümiert Dr. P., "das nenne ich Leistung! Aber an dem einen oder anderen Patentrezept müssen wir vielleicht noch ein bißchen feilen."