Beim Aufstehen um halb acht schaue ich zuerst aus dem Fenster. Wer in den Bergen oder auf dem Meer arbeitet, ist stark vom Wetter abhängig. Ziehen die Wolken von Süden her über den Himmel, bedeutet das: Schirokko. Da muß ich mein Schiff, das vor dem Strand liegt, in Sicherheit bringen. Marina di Campo liegt an der Südküste der Insel, der Sturm aus der Sahara hat mir schon mal ein Boot auf den Strand geworfen.

An normalen Tagen setze ich vor dem Rasieren das Wasser für meinen Zitronentee auf. Nach dem Anziehen und Frühstücken bringe ich La Bionda aus dem Stall auf die Weide. Die Haflingerstute bekam ich vor zwei Jahren geschenkt. Seither hält sie das Gras auf meinem Grundstück kurz. Ich habe 16 000 Quadratmeter. Viel Macchia, also Gestrüpp, dann Wiese und natürlich das Haus. Das habe ich von Grund auf selbst gebaut in den letzten acht Jahren.

Unsere Saison beginnt an Ostern und dauert bis Ende Oktober. In dieser Zeit habe ich eine Siebentagewoche mit siebzig bis achtzig Arbeitsstunden. In der Saison sind zwei Tauchlehrer bei mir angestellt. Um halb neun bin ich am Strand. Seit zwei Jahren besitze ich dort ich ein eigenes Grundstück. Als Stützpunkt dient ein Container. Die Umzäunung, die Leitungen für Wasser, Strom und Kanalisation habe ich natürlich selbst gemacht, schließlich war ich früher Maschinenschlosser.

Nach der Begrüßung der Gäste und der Vorstellung der Neuankömmlinge teilen wir das Material aus. Ich habe zwanzig komplette Ausrüstungen: Anzüge, Tarier- und Rettungswesten, Flossen und Masken in allen Größen, Schnorchel, Bleigürtel. Auf dem Boot darf ich fünfzehn Gäste mitnehmen. Die Fahrt zu den Tauchplätzen dauert etwa eine halbe Stunde.

Wir haben vierzehn Plätze, die wir regelmäßig anfahren, je nach Wasser- und Windverhältnissen und den Wünschen der Taucher. Ich bin seit 1976 hier und kenne dort unten jeden Stein. In den letzten drei Jahren hat sich die Fauna ziemlich gut regeneriert - nachdem endlich gegen die "Harpunettis" wirksam vorgegangen wird. Die Unterwasserjagd ist jetzt nur mit Schnorchel erlaubt. Schon wer eine Harpune im Boot hat, macht sich strafbar. Seitdem die Carabinieri diese Vorschrift überwachen, sehen wir bei fast jedem Tauchgang wieder große Zackenbarsche und Muränen.

Während der Fahrt zum Tauchplatz teile ich die Gruppen ein, die Tauchlehrer besprechen mit ihnen den Tauchgang. Sobald der Anker Grund gefaßt hat, springen die ersten ins Wasser. Wenn alle von Bord sind, habe ich etwa zwanzig Minuten Zeit, um das Deck zu waschen und Kontroll- und Servicearbeiten am Schiff zu erledigen. Dazwischen schaue ich immer wieder aufs Wasser, ob vielleicht jemand Probleme hat und vorzeitig aufgetaucht ist. Der Notfallkoffer mit dem Sauerstoffgerät sowie ein volles Tauchgerät sind immer an Bord, für Notrufe habe ich Funk und Telephon. In all den Jahren hatten wir aber nie einen schweren Unfall.

Wenn die Taucher zurückkehren, nehme ich die Photo- und Videoausrüstungen entgegen, damit sie leichter die Leiter hochkommen. Die Flaschen kommen gleich zum Füllen an den Kompressor.