BREISACH. - Solch eine Chance! Und so gründlich in den Sand gesetzt! Einem echten Traber wäre das jedenfalls nicht passiert. Schon der Großvater tanzte Polka auf dem Hochseil, auf der Zugspitze haben sie den Draht gespannt, und neulich an Fastnacht erst sind sie, mal so nebenbei, auf dem Schrägseil aufs Breisacher Münster spaziert.

Ein echter Traber kommt nämlich aus Breisach. Jahrzehntelang haben sie hart gearbeitet für ihren Namen und dann das: zigtausende vor Ort, Millionen am Fernsehen, die ganze Welt schaut quasi zu, und dann steigt ein angeblicher Traber einfach vom Seil. Das heißt, er kann den Sturz aufs Pflaster aus 50 Metern Höhe gerade noch verhindern.

Zur Erinnerung: In Berlin war's, zum Auftakt des Weltklimagipfels. Ein gewisser Alfred Traber hatte sich anerboten, ein 620 Meter langes Seil in 50 Metern Höhe zu überqueren. Kaum hatte der "echte" Traber, der Breisacher Johann, 41 Jahre alt, von dem Plan gehört, es war im Januar, hatte er sogleich in Berlin angerufen und ausdrücklich gewarnt: "Das sind die Falschen."

Die Falschen - das ist die Berliner "Hochseiltruppe Alfred Traber", ebenfalls ein Traber-Sproß, in der DDR groß geworden, gesponsert vom Staat und vor der Wende in ganz Osteuropa unterwegs. Die Falschen sagt Johann, hätten selten höher als neun Meter über dem Boden gearbeitet, arbeiteten in der Regel mit Netz, und auf dem Schrägseil hätten sie gar keine Erfahrung.

Doch der Berliner Senat reagierte nicht einmal auf den badischen Protest. Und als er nach Wochen doch reagierte, hieß es schlicht: "Was Sie uns sagen, sagt uns die andere Agentur auch." Soll heißen: Auch Alfred Traber warb mit der "richtigen" und einzigartigen "Traber"-Etikette.

Da war es schon fast nebensächlich, daß nicht, wie vorgesehen, Vater Alfred aufs Seil stieg, sondern der angeheiratete Sohn Matthias. Johann Traber in Breisach hat die Nummer später im Fernsehen gesehen. Fast schlecht geworden sei ihm dabei. Schon beim ersten Schritt hätten dem Matthias die Beine geschlottert, sagt Johann, später dann habe er wohl schlicht die Nerven verloren. Die Analyse aus Breisach: "Der Junge hat sich überschätzt."

Traber gegen Traber. Die Wurzeln sind dieselben. Nur schlugen sie verschieden aus. Denn die Großväter von Traber Ost und Traber West waren Brüder. Doch während (August) Traber West schon im Jahr 1936 in Südafrika auf Hochseiltournee war und sein Seil auf der Weltausstellung von Berlin spannte, verdiente der Großvater (Harry) von Traber Ost sein Geld damals noch als Straßenkomödiant - als Stelzentänzer.