Deutsche Urlauber sind die Gewinner der momentanen Währungsturbulenzen. Doch es gibt auch einen Verlierer: den Tourismusstandort Deutschland.

Gerade die Länder mit zuletzt schwachen Währungen werden in diesem Sommer mehr deutsche Touristen zu Besuch bekommen als in den Jahren zuvor; allen voran die USA und Italien, wo die Kaufkraft der deutschen Währung weiter gestiegen und somit die Nebenkosten gesunken sind.

Genau umgekehrt wirken sich die Kursverluste vieler Währungen auf den deutschen Tourismus aus. Gottfried Linke, Geschäftsführer des Landesfremdenverkehrsverbandes Bayern, bezeichnet das als "Bumerang-Effekt": In der kommenden Saison erwartet er "kein erfreuliches Ergebnis" - gerade was die Besucherzahlen aus Ländern wie Italien, Großbritannien oder Holland betrifft.

Die Alarmglocken in der Tourismusbranche schrillen ohnehin schon seit einiger Zeit: Während deutsche Veranstalter bei Fernreisen Zuwächse von bis zu 30 Prozent verzeichnen, ist die Zahl der ausländischen Besucher in Deutschland seit 1990 um 16 Prozent zurückgegangen; allein aus Italien kamen 1994 rund 25 Prozent weniger Touristen als im Vorjahr. Ähnlich schlecht sieht es mit Urlaubern aus den USA aus - seit 1990 ging die Besucherzahl um 21 Prozent zurück.

Auch die Reiseverkehrsbilanz in Deutschland sieht ohnehin nicht gut aus: Etwa siebzig Milliarden Mark trugen deutsche Urlauber 1994 ins Ausland - mehr als viermal soviel, wie ausländische Urlauber in Deutschland ausgaben.

Mit der Währungstalfahrt der vergangenen Wochen sank die Stimmung der deutschen Tourismusexperten. "Wir machen uns ernsthafte Sorgen", sagt Joachim Scholz, Marktforscher bei der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT) in Frankfurt. "Ähnliche Währungsturbulenzen gab es ja schon in den vergangenen Jahren, zum Beispiel mit der schwedischen Krone. Und das hat immer drastische Rückgänge im Tourismus bewirkt."

Rückgänge befürchtet auch Gerd Kramer, Direktor des Fremdenverkehrsverbands Schleswig-Holstein. Für die Hauptsaison registrierte er zwar noch eine "starke Nachfrage"; "aber gerade bei den Zweit- und Drittreisen in der Vor- und Nachsaison werden wir die negativen Auswirkungen der Währungsturbulenzen deutlich zu spüren bekommen. Die Leute wollen lieber in die Karibik als nach Deutschland - weil es oft billiger ist."