Der tiefe Fall des Dollar gegenüber D-Mark und Yen hat an den internationalen Finanzmärkten zu einer großen Verunsicherung geführt. Auch die Notenbanker und Finanzminister waren bei der Frühjahrstagung des Internationalen Währungsfonds ratlos und konnten nur mit Mühe ihre tiefen Interessengegensätze kaschieren.

Zehn Jahre ist es her, da trafen sich die Finanzexperten der sieben wichtigsten Industriestaaten in einer ähnlich kritischen Situation. Der Wechselkurs des Dollar hatte im Frühjahr 1985 die schwindelerregende Höhe von mehr als 3,40 Mark erreicht, was den fundamentalen ökonomischen Daten genausowenig entsprach wie sein heutiger Kurs von weniger als 1,40 Mark. Im Unterschied zu heute reichte damals ein Machtwort der Notenbanker, um die Entwicklung an den Devisenmärkten umzudrehen.

Der damalige Plaza-Akkord trug seinen Namen zu Recht: Niemand war an einem überhöhten Dollarkurs interessiert. Die Vereinigten Staaten nicht, weil er ihren Export behinderte; die übrigen Industrienationen nicht, weil er die Inflation zu beschleunigen drohte.

Ganz anders das heutige Bild: Die amerikanische Regierung nutzt den niedrigen Wechselkurs des Greenback seit Monaten als Druckmittel gegen die Japaner und ihre anhaltenden Versuche, Einfuhren vor allem aus den Vereinigten Staaten zu behindern. Und das Federal Reserve Board trifft keinerlei Anstalten, den seit Ende 1994 anhaltenden Dollarkursverfall durch höhere Zinsen zu bremsen. Statt dessen sahen sich die Notenbanker der Länder mit starken Währungen - Deutschland, Japan, Schweiz - zu Zinssenkungen gezwungen, damit die Aufwertung ihren heimischen Volkswirtschaften nicht die Luft abschnürt. An diesem Interessenkonflikt dürften bislang auch alle Anläufe zu konzertierten Devisenmarkt-Interventionen gescheitert sein.

In diesem Lichte erscheint Skepsis gegenüber den Appellen der G 7-Länder zum Abbau der fiskalischen und außenwirtschaftlichen Defizite angebracht. In den Vereinigten Staaten würde der Versuch, das Haushaltsdefizit abzubauen und gleichzeitig die zu geringe Sparneigung der Bürger durch höhere Zinsen zu fördern, der Konjunktur einen empfindlichen Schlag versetzen. Damit würde auch der rasante Höhenflug amerikanischer Aktien ein Ende finden. Doch Präsident Bill Clinton und Notenbank-Gouverneur Alan Greenspan sind sich bislang einig: Der Aufschwung soll intakt bleiben.

Einen erheblichen Beitrag dazu soll vor allem Japan leisten, dessen Währung seit Anfang März 1995 selbst gegenüber der starken D-Mark noch um zehn Prozent aufgewertet wurde. Nachdem das Absenken der Geldmarktzinsen auf unter 1,5 Prozent den Yen-Anstieg nicht bremsen konnte, läßt sich das Dollar-Yen-Verhältnis offenbar nur durch steigende Importe wieder normalisieren. Japans Handelsriesen erschweren jedoch nach wie vor die Wareneinfuhr.

Die Devisenhändler werden deshalb in den kommenden Wochen sehr aufmerksam beobachten, ob die Regierung in Tokio ihre vagen Ankündigungen in konkrete Maßnahmen ummünzt und ernsthafte Anstrengungen zum Abbau der riesigen japanischen Exportüberschüsse einleitet.