Der amerikanische Präsident Bill Clinton hat keine glückliche Hand bewiesen, als er den Handelsboykott seines Landes gegen den Iran verkündete und auch noch die Partner dazu aufrief, sich an der Wirtschaftsblockade zu beteiligen. Die Verbündeten haben abweisend reagiert - und das nicht, weil dort nur Krämerseelen herrschen, denen die Menschenrechtsverletzungen, Unterdrückung und Folterungen im Iran gleichgültig sind.

Eindeutig richtig ist: Derartigen Regimen dürfen keine Waffen und anderen gefährlichen Güter geliefert werden, auch nicht Kernkraftanlagen.

Gleichwohl ist aber auch richtig: Ein genereller Boykott bringt schon deshalb in der Regel nicht die erhoffte politische Wirkung, weil er ökonomisch weitgehend wirkungslos verpufft, wie die zahlreichen Beispiele - von Libyen in der Gegenwart über Südafrika in der jüngeren Vergangenheit bis zur Kontinentalsperre zu Napoleons Zeiten - belegen. Entweder die Blockade ist nicht lückenlos, dann haben die Betroffenen auf ihre Importe allenfalls eine Risikoprämie zu zahlen; oder die Handelssperren funktionieren tatsächlich weitgehend, dann entwickeln sich die isolierten Volkswirtschaften zwar langsamer, aber wegen des fehlenden Konkurrenzdrucks aus dem Ausland brechen sie nicht zusammen.

Die größten Probleme schafft der Boykott erst dann, wenn er wieder aufgehoben wird. Denn dann - also zu dem Zeitpunkt, wenn die Strafe gerade nicht mehr wirken soll - werden die Unternehmen schockartig dem internationalen Wettbewerb ausgesetzt, mit drastischen Folgen für Arbeitsplätze und Einkommen.

Wandel durch Handel - das ist keine Garantie, aber eine Chance. Nur dann aber gibt es Gesprächskontakte und Einflußmöglichkeiten auf die Regierenden. Ein Boykott ist ein wohlfeiles Mittel, das aber letztlich nur das eigene Gewissen beruhigt.