Auf dem Index

Soeben hat das französische Innenministerium das Buch "Das Verbotene und das Erlaubte im Islam" indiziert. Der Autor, der ägyptische Theologe Yussuf Qaradhawi, ist ein einflußreicher Koran-Kommentator und steht den Muslimbrüdern nahe. Drei Jahre lang war das Buch - eine Sammlung religiöser Vorschriften für den Alltag - frei erhältlich. Man habe es verboten, "weil es ein sehr großer Erfolg war - eine pädagogische Maßnahme", erklärte ein Sprecher von Innenminister Pasqua. Vor allem die frauenfeindlichen Passagen erregten das Mißfallen der Behörden - rechtzeitig vor dem zweiten Wahlgang der Präsidentschaftswahlen. Denn der Mann dürfe, so Qaradhawi, seine Frau notfalls auch körperlich züchtigen, wenn sie sich ihm nicht unterwerfe. Was will Charles Pasqua, der neue Frauenfreund und alte Scharfmacher, als nächstes verbieten? De Sade, Nietzsche, Briefe des Apostel Paulus?

Im Schloß

Am kommenden Wochenende wird das Hambacher Schloß Schauplatz einer Tagung mit einem bemerkenswerten Titel sein: "Aufbruch und Erneuerung - Die Freiheit von Geist und Wort erkämpfen!" Es lädt ein: das Studienzentrum Weikersheim in Zusammenarbeit mit der Hans-Filbinger- Stiftung.

Titel unter anderen: "Ist die Meinungsfreiheit noch gewährleistet?" und "Geistesfreiheit oder ,political correctness`?". Einer der Redner ist Heimo Schwilk, Redakteur bei der Welt am Sonntag. Er erfreut das rechte Spektrum gegenwärtig durch seine Aufrufe zum 8. Mai. Sein Thema lautet: "Die selbstbewußte Nation". Wie die Meinungsfreiheit in dieser selbstbewußten Nation besser zu schützen sei, haben die Organisatoren dankenswerterweise vorab dokumentiert - in einem Brief an die ZEIT: "Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen Ihrer Zeitung können wir für die Dauer des Hambacher Kongresses keine Akkreditierung gewährleisten. Wir bitten um Ihr Verständnis." Geschenkt!

Neben dem Stamm

Großbritannien ist empört: Vergangene Woche hat ein Enkel des Premierministers Winston Churchill Dokumente und Briefe seines Großvaters für 12,5 Millionen Pfund an den Staat verkauft. Zuvor hatte der Erbe - auch er heißt übrigens Winston - mit einem Kunden in den Vereinigten Staaten gedroht. Das Copyright allerdings behielt er vorsichtshalber. Ein fauler Apfel, weit vom heroischen Stamm seiner Ahnen gefallen? Mitnichten, berichtet der Observer. Da war zunächst einmal der Ahnherr und erste Herzog von Churchill, John of Marlborough: ein Feldherr und Abenteurer, der seinen König betrog und auf keineswegs feine britische Art ein immenses Vermögen zusammenraffte. Energie und Ehrgeiz der darauffolgenden Generationen erschöpften sich darin, jenes Erbe zu verschleudern. Wäre dies nicht seinem Vater Randolph noch kurz vor seinem frühen Tod an der Syphilis gelungen - der junge Winston hätte wie die meisten seiner Standesgenossen von Zinsen leben können, statt eine bürgerliche Erwerbsquelle in der Politik suchen zu müssen. Sein durchaus üppiges Parlamentariergehalt besserte er zeitweise auf, indem er große Romane der Weltliteratur wie "Onkel Toms Hütte" für den Gebrauch der misera plebs kondensierte. Wie die Ahnen, so der Enkel?