Sich zu Flops nicht nur zu bekennen, sondern sie auch zu beenden, dazu gehört verlegerischer Mut. Dr. phil. Hubert Burda hat ihn: Sein Wirtschaftsmagazin !Forbes wird eingestellt. Vor fünf Jahren gegründet, wird es so seine fünfzig Millionen gekostet haben. Das glücklose Magazin war nach dem US-Erfolgsmodell Forbes (capitalistic tool) benannt. Konzipiert war es als Männermagazin power, bis Burda Forbes traf und ein klein wenig Etikettenschwindel betrieb. Aus power wurde !Forbes, hatte aber sonst mit dem ernsthaften US-Original nicht viel gemein. Gute Optik, passabler Service, flache Themen. Eher etwas für die Möllemänner als die Mannesmänner. Nun agieren die Erfolgsdarsteller Capital, Impulse und manager magazin wieder allein auf der Wirtschaftsbühne. Die fünfte Charge, Top Business, wurde schon kürzlich gestrichen.

Und Burda streicht gleich weiter: 1. den Petrarca-Preis für moderne Literatur (40 000 DM), 2. den Nicolaus-Born-Preis (20 000 DM) für den literarischen Nachwuchs und 3. den Übersetzer-Preis (15 000 DM). Schöngeist Burda setzt jetzt auf Zeitgeist. Für 20 000 wird von nun an ein Preis vergeben für multimediale Werbung. Ad interactive heißt er. Und an die Stelle von !Forbes setzt Burda auf multimediale Dienste. Angekündigt sind zwei Online-Dienste: Money Line und Business Line. Gruner+Jahr-Verleger Schulte-Hillen (u.a. Tango) schrieb neulich in sein Poesiealbum: Geduld sei die Stärke eines Verlegers, aber auch seine Schwäche. Kollege Burda hat sich da schon entschieden.

Was ist der Unterschied zwischen runden Geburtstagen und IVW- Zahlen? Die einen werden gefeiert (alle zehn Jahre), die anderen gefürchtet (vierteljährlich). Alle drei Monate melden die Verlage ihre Auflagen an eine neutrale Stelle, die IVW. Das Kürzel steht in voller Länge für: Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern. Gemeldet wird nach der Verkaufsformel: gelieferte Exemplare minus nicht verkaufte gleich verkaufte. So auch im ersten Quartal 1995. Und da glänzen einige Titel mit runden Erfolgen, schließt sich der Kreis zu den runden Zahlen. Vorneweg die Bunte: Sie meldet 801 000. Welche Freude für die Vertriebsprofis aus Burda-München, daß es nicht ein paar weniger waren und man mit einer Sieben vorne die Anzeigenkunden in die nächsten Quartale locken mußte. So kann man stolz sagen: Bunte-Auflage? Über 800 000! Ähnliches Glück hat da Tempo. Das Blatt meldet über 100 000, genau: 101 954 Exemplare. Genauer ist da noch die Dresdener Morgenpost am Sonntag mit einer verkauften Auflage von 100 297, in ihrer Exaktheit nur noch vom Trierischen Volksfreund unterboten: um fünfzehn Exemplare.

Da ist doch der Mut von Tango zu loben: Einen guten Rutsch gab es im ersten Quartal, von 421 000 auf 265 000. Das läßt drei Schlüsse zu: Die erste Zahl stimmte nicht, die zweite stimmt auch nicht. Oder: Der Markt stimmt nicht. Wie hieß noch die Tugend des Verlegers? Siehe oben.

Der an Originalität nicht gerade arme Verlag an der Hamburger Milchstraße (TV-Spielfilm, Max, Fit for Fun) erschreckte mit einem Aprilscherz pünktlich zum zweiten Quartal die Konkurrenz. Er kündigte an: Künftig werde der Fit-Verlag nicht nur die Auflagenzahlen einzelner Ausgaben (statt der Quartalsdurchschnitte) melden, sondern auch die internen Verkaufszahlen der Verlagskonkurrenten.