Der Präsident ist stolz. "Wir haben enorme Resonanz", sagt Ökonomieprofessor Rüdiger Pohl, seit vergangenem Jahr Chef des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH). Und: "Wir sind praktisch voll." Freie Planstellen hat das ehemalige Mitglied der fünf Weisen mit Forschern aus dem Westen besetzt, so daß von den 37 IWH-Wissenschaftlern heute rund die Hälfte aus den alten Bundesländern kommen. Bei bestimmten Fächern wie Währung oder Finanzen gehe es nur mit Westlern, sagt Pohl.

Wo aber regionale Kenntnisse den Ausschlag geben, stechen die zumeist empirisch arbeitenden Ost-Forscher die Wessis noch aus. Vor allem beim Arbeitsmarkt, bei Energiefragen oder in der Abteilung Mittel- und Osteuropa baut der Präsident auf Sachverstand und Erfahrung der Ossis. Auch aggressiv zu streiten hätten diese mittlerweile gelernt, sagt Pohl. Daß sie sich mit Kapital- und Devisenmärkten, mit Steuer- und Finanzpolitik nicht auskennen, ist nicht verwunderlich: Nach Neugründung des IWH 1992 kamen die meisten Mitarbeiter aus dem früheren Forschungsinstitut der DDR-Plankommission.

Indes sind die Newcomer aus Halle schnell in das Kartell der fünf großen Traditionsinstitute aufgenommen worden: Gemeinsam mit den Forschern aus Kiel, Hamburg, Berlin, Essen und München diagnostizieren die Hallenser zweimal im Jahr die Konjunktur; dazu kommen bilaterale Projekte. Über Auftragsmangel kann sich das IWH auch sonst nicht beklagen; als emsigster Nachfrager hat der Bundeswirtschaftsminister seit 1993 rund die Hälfte der Forschungsprojekte geordert.

Doch müsse das IWH nicht nur die Folgen seiner Historie tragen, sagt ein Institutsforscher in Westdeutschland - die Stelle der Plankommission mutierte 1990 zu dem kurzlebigen Institut für angewandte Wirtschaftsforschung, bevor das IWH gegründet wurde. Auch könnten die Hallenser, die kaum Grundlagenforschung betreiben, auf Dauer nur schwer eine Nische im Wettbewerb finden, den vor allem Beratungsfirmen und Konzerntöchter wie die Deutsche Bank Research anfachen.

Noch setzt das Institut auf seinen Standortvorteil. Neben der wirtschaftlichen Entwicklung in den Ländern Mittel- und Osteuropas untersuchen die Forscher vornehmlich die ostdeutsche Wirtschaft. Viele aus dem Westen bekannte Muster der Ökonomie gelten in den neuen Ländern einfach nicht, glaubt Rüdiger Pohl: "Hier ist es wichtig, daß man sich auskennt."