Der "Geheimbund gegen Gesamtschulen" (vgl. ZEIT Nr. 7 vom 10. 2. 95) hat gezeigt: Ein kleiner Anlaß reicht aus, um den Streit über die Gesamtschule auch nach 25 Jahren in ungebrochener Vehemenz wieder aufflammen zu lassen. Da hat sich in Nordrhein-Westfalen ein kleines Fähnlein von Gesamtschullehrern zusammengefunden, um - zunächst anonym - die eigene Schule einer herben Kritik zu unterziehen, und schon gingen Befürworter und Gegner aufeinander los wie in längst vergangenen Tagen der Schulreformzeit. Die große Zahl von Leserbriefen an die ZEIT dokumentiert diese stabile Unversöhnlichkeit. In der Praxis ist die Gesamtschule längst ein fester Bestandteil der Schullandschaft. In der Diskussion aber wird sie mit deutscher Grundsätzlichkeit behandelt: Entweder man ist dafür - dann ist sie die beste Schule überhaupt. Oder man ist dagegen - dann muß sie abgeschafft werden. Beide Positionen spiegeln sich auch in disem Pro und Contra wider. Die Diskutanten sind beide Gesamtschullehrer: Sigrid Key unterrichtet seit 1992 an einer nordrhein-westfälischen Gesamtschule Mathematik, Kunst und Pädagogik. Sie bekennt sich inzwischen zu ihrer Mitgliedschaft im Geheimbund, dem "Arbeitskreis Gesamtschule", hält diese Schulform in ihrer jetzigen Form nicht für akzeptabel und möchte an eine andere Schule wechseln. Günter Rüdell ist seit fünf Jahren überzeugter Leiter der Gesamtschule Neumühl in Duisburg und unterrichtet Mathematik, Deutsch und Musik.