So weit sei es noch lange nicht, mahnt Harald Scherf, der sich durch seine Arbeit im Wissenschaftsrat mit den ostdeutschen Fakultäten auskennt. Die Losung von der ambitionierten Forschung "wollen wir mal als ein Versprechen betrachten", sagt der Hamburger Ökonomie- und Statistikprofessor. Die Ost-Ökonomen müßten erst einmal eine Generation von Wissenschaftlern ausbilden, könnten nicht von eigener Forschung reden, wenn das Personal aus dem Westen die alten Projekte weiterführe. Das Hauptproblem sieht er aber im mangelnden Professorenangebot. Etliche seien dorthin gegangen, die "im Westen nicht reüssierten". Doch gerade am Anfang "brauchen Sie erfahrene Leute dabei".

Scherf mahnt zur Geduld. Viele Jahre hätten die im Westen nach dem Krieg gegründeten Universitäten um Anerkennung kämpfen müssen. Dabei plagten sich die Aufbauarbeiter im Osten mit viel größeren Schwierigkeiten herum. Indes gibt er zu, daß fähige Professoren "ein Mikroklima schaffen, in dem Studenten gedeihen" - egal wo.

Die Besinnung auf die Ahnherren soll den ostdeutschen Fakultäten helfen. Der Fachbereich an der 575 Jahre alten Universität Rostock veranstaltet ein Symposium über den Mecklenburger Gutsherrn und berühmten Pionier der Nationalökonomie Johann Heinrich von Thünen, der wohl auch in der Hansestadt lehrte. Die DDR hatte sich mit dem Werk des vor 125 Jahren verstorbenen Landadligen noch schwergetan. Und in Berlin promovierte vor 67 Jahren ein junger Mann aus St. Petersburg zum Doktor der Wirtschaftswissenschaften. Jüngst war er wieder zu Besuch, um seine Doktorwürde symbolhalber noch einmal entgegenzunehmen: Nobelpreisträger Wassily Leontief, der mit seiner Input-Output-Analyse Tatsachen und Theorie der Volkswirtschaft verband.