GENF. - Als die UN-Charta vor fünfzig Jahren unterzeichnet wurde, war internationale Zusammenarbeit weitgehend Sache der Regierungen und ihrer Beamten. Doch der Sozialgipfel in Kopenhagen und die Klimakonferenz in Berlin haben jetzt gezeigt: Auf der Weltbühne agieren inzwischen auch ganz andere - Geschäftsleute, Gewerkschafter, Akademiker, engagierte Menschen in Hunderten von regierungsunabhängigen Organisationen. Sie alle und auch die Medien haben erkannt, daß soziale, politische und wirtschaftliche Themen einander bedingen und daß sich überall auf der Welt nachbarschaftlicher Streit nur gemeinsam lösen, daß sich Umweltverschmutzung, Terrorismus, Drogen- und Waffenhandel nur gemeinsam bekämpfen lassen.

Diese Aufgaben können Regierungen nicht allein oder durch bilaterale Abkommen bewältigen. Die Vereinten Nationen werden deshalb unweigerlich im Mittelpunkt dieser Zusammenarbeit stehen. Gäbe es die Uno nicht, wären wir alle damit beschäftigt, etwas sehr Ähnliches zu schaffen.

Wie jede fünfzig Jahre alte Maschine muß die Uno natürlich repariert werden - und zwar gründlich. In "Our Global Neighbourhood" schlägt die Commission on Global Governance deshalb unter vielen anderen Korrekturen zwei große Neuerungen vor: Die Anzahl der ständigen Mitglieder im Sicherheitsrat muß erhöht werden - und zwar um fünf auf zehn. Die neuen fünf ständigen Mitglieder hätten kein Vetorecht, aber würden dem Rat dauerhaft angehören. Zu ihnen müßten zwei industrialisierte Länder und je ein Land aus den Entwicklungsregionen Asien, Lateinamerika und Afrika gehören. Außerdem schlagen wir vor, drei zusätzliche Sitze für rotierende Mitglieder zu schaffen, um dem Sicherheitsrat einen repräsentativeren Charakter zu verleihen. Der Sicherheitsrat spielt heute eine große Rolle; er braucht mehr Legitimation.

Wir brauchen einen zusätzlichen Sicherheitsrat für Wirtschaftsfragen. Das gegenwärtige Chaos auf den Finanzmärkten und die fortwährende Finanzkrise in Mexiko, die sich auf die gesamte Weltwirtschaft auswirken, zeigen die Notwendigkeit effektiverer Führung. Im Juni wird der G-7-Gipfel in Halifax die bestehenden Institutionen für weltweite wirtschaftliche Zusammenarbeit erneut überprüfen.

Doch die G-7-Gruppe ist fußlahm geworden. Ein Teil ihres Problems ist, daß zu ihrer selbsternannten Mitgliederschar nicht mehr alle Größen der Weltwirtschaft gehören. Mißt man die Produktion eines Landes in Kaufkraftparitäten, wie es jetzt die Weltbank tut, müßte man die wichtigsten sieben um China und Indien erweitern. Mit Brasilien, Rußland, Mexiko, Indonesien, Spanien und Südkorea wären es dann schon fünfzehn.

Ein Ökonomischer Sicherheitsrat mit einer vergrößerten Mitgliederzahl einschließlich dieser neuen Industriemächte sowie einer Stimme für regionale wirtschaftliche Gruppierungen wäre weitaus besser gerüstet als nur die G-7, um in wirtschaftlichen, sozialen und umweltpolitischen Fragen eine führende Rolle zu spielen. Er würde außerdem enge Beziehungen zu den Leitern der Bretton-Woods-Institutionen und der neuen Welthandelsorganisation knüpfen, um seiner Aufgabe gerecht zu werden, stabile politische Rahmenbedingungen für wirtschaftliche Entwicklung zu schaffen.

Ein solcher Ökonomischer Sicherheitsrat müßte regelmäßige Treffen auf Finanzministerebene abhalten. Auf Regierungschef-ebene würde man sich mindestens einmal jährlich treffen. Der Rat wäre eher beratendes als ausführendes Organ und käme ohne großes Sekretariat aus.