ZEIT: Herr Bürgermeister, wer an New York denkt, dem kommt normalerweise Manhattan in den Sinn. Sie wurden im Stadtteil Brooklyn geboren . . .

Giuliani: Ich bin dort geboren und aufgewachsen, habe einige Jugendjahre in Queens verbracht und bin in der Bronx zur Schule gegangen.

ZEIT: Stört es Sie da nicht, daß New York fast immer nur mit den Wolkenkratzern, Theatern, Museen und Restaurants von Manhattan gleichgesetzt wird?

Giuliani: Das liegt wohl auch daran, daß Kinofilme und Fernsehserien über New York fast nur in Manhattan spielen und die Tourismuswerbung praktisch ausschließlich mit den Attraktionen rund um die Fifth Avenue arbeitet. Dabei sind die anderen Stadtteile ungeheuer wichtig. Viele Menschen, die mit ihrer Arbeit aus Manhattan das ökonomische Herz der Stadt machen, leben in Queens oder in Staten Island.

ZEIT: Aber was gibt`s für einen Touristen zu sehen, wenn er sich über den East River auf den Weg in die anderen Stadtteile macht?

Giuliani: Fahren Sie mal nach Staten Island und schauen sich Richmondtown an; dort bekommen Sie ein Gefühl für die Geschichte und die Entwicklung von ganz New York. Oder besuchen Sie den Zoo in der Bronx, einen der besten Zoos der Welt. Das bringt eine andere Perspektive über die Bronx als das, was man gemeinhin über diesen Stadtteil liest und hört. Der Prospect Park in Brooklyn, an dessen Rand ich aufgewachsen bin, ist eine etwas kleinere Version des Central Park in Manhattan - aber mindestens ebenso schön. Queens schließlich dürfte der Stadtteil mit den meisten unterschiedlichen Rassen und Ethnien in ganz New York sein und wohl auch in ganz Amerika. Wenn Sie wollen, können Sie in Queens rund 200 verschiedene Sprachen sprechen.

ZEIT: Zeigt sich hier das multikulturelle Gesicht New Yorks am besten?