Das Ausland übernimmt das Kommando in der Londoner City. Nach Morgan Grenfell und Barings droht mit der Warburg Bank ein weiteres englisches Geldhaus an einen Aufkäufer vom Kontinent zu fallen. Niemand zweifelt mehr an der baldigen Übernahme Warburgs durch den Schweizerischen Bankverein. Der Traum, die von dem deutschen Emigranten Sir Siegmund Warburg 1946 gegründete Bank zu einem weltumspannenden Investmenthaus zu machen, findet damit ein jähes Ende. Der Deal demonstriert auch den anderen sogenannten merchant banks, die in Beratung, Kapitalbeschaffung, Börsenhandel und Vermögensanlage tätig sind, welch trauriges Ende globale Ambitionen nehmen können. Aber auch die Nischenspieler, die sich auf Teilmärkte beschränken, können vor Übernahmen durch kapitalkräftige Großbanken nicht sicher sein.

Morgan Grenfell ging 1990 für 950 Millionen Pfund an die Deutsche Bank, die zum Schmerz Frankfurts ihr investment banking nach London verlegt hat. Auch die WestLB hat sich hier eingekauft. Die BHF-Bank hat zusammen mit der Crédit Commercial de France die Investmentbank Charterhouse übernommen. Und die durch Fehlspekulationen ruinierte Barings Bank ging kürzlich in den Besitz der niederländischen Finanzgruppe ING über.

Die Liste der unabhängigen merchant banks wird immer kürzer. Dennoch glaubt niemand, daß die Rothschilds oder die Flemings ihre Banken je zur Übernahme freigeben - es sei denn, eine Katastrophe mache die Institute anfällig. Aber unter den an der Börse notierten Geldhäusern ist Kleinwort Benson (Börsenwert 870 Millionen Pfund) als Übernahmekandidat einer ausländischen Groß- Nachdem der Verkauf der Warburg Bank als sicher gilt, wird über den nächsten Coup spekuliert bank ins Gerede gekommen. Hartnäckig wird insbesondere die Dresdner Bank als Interessent genannt - was ebenso hartnäckig bestritten wird.

Nicht im Gespräch ist indessen die Schroders-Gruppe, deren Kapital fast zur Hälfte in Familienbesitz ist. Jetzt zahlt sich aus, daß Schroders sich, vor bald 200 Jahren von Hamburger Kaufleuten gegründet, zurückhielt, als einige Konkurrenten vor zehn Jahren im Gefolge der tiefgreifenden Börsenreform, des sogenannten big bang, groß in das risikoreiche Börsengeschäft einstiegen. Das vorsichtig geführte Haus baute dafür seine Tätigkeit in Asien und New York aus.

Warburg hingegen verfolgte nach dem Tod von Siegmund im Jahr 1982 den Plan, einer der ganz großen "Spieler" zu werden. Als 1994 die Erträge zusammenbrachen, aber die Kosten auf enormer Höhe blieben, suchte Warburg Zuflucht bei dem amerikanischen Konkurrenten Morgan Stanley. Der Plan scheiterte, und Warburg war als verwundbar gezeichnet. Wichtige Leute sprangen ab, einige Aktivitäten wurden aufgegeben, Generaldirektor Lord Cairns trat zurück, und der schon fast abgetretene Vorsitzende Sir David Scholey übernahm wieder die Zügel.

Der Schweizerische Bankverein nutzt die Gelegenheit, um seine eigenen globalen Ambitionen im investment banking zu erfüllen. Runde 800 Millionen Pfund werden als Preis genannt - ohne die Mercury Asset Management (Börsenwert 1,6 Milliarden Pfund), an der Warburg mit 75 Prozent beteiligt ist. Der Schweizerische Bankverein ist an diesem Unternehmen nicht interessiert.

Kommen die Schweizer zum Zuge, dann endet ein Kapitel in der langen und bewegten Geschichte der Warburgs. Siegmund, ein Sproß dieser jüdischen Familie, flüchtete 1933 nach London und gründete 1946 S. G. Warburg & Co. Legenden rankten sich bald um den "wahrscheinlich einflußreichsten Financier in der City nach dem Kriege", wie ihn die Financial Times in ihrem Nachruf nannte. Siegmund, der mit seinem Versuch, den Namen Warburg wieder in Deutschland zu etablieren, gescheitert war, strebte stets nach Einfluß und nicht nach Größe. Jetzt rächt sich, daß seine Nachfolger diesem Prinzip nicht treu geblieben sind.