Gespenster wechseln die Farbe - solange man an sie glaubt. Das hat sich wieder einmal in Italien erwiesen, wo schon Machiavelli erkannte, daß in der Politik die Leute "leicht zu etwas zu überreden, aber schwer bei der Stange zu halten" seien.

So scheint die Stichwahl vom vorigen Sonntag, bei der das Zweckbündnis der "linken Mitte" 48 von 54 Provinzen gewann, das Ergebnis des ersten Wahlgangs ins Dramatische zu steigern: Kaum ein halbes Jahr nach seinem Absturz aus schwindelnden Höhen droht Silvio Berlusconi und seiner "rechten Mitte" nun das Versinken ins Bodenlose. Sein Verbündeter, Gianfranco Fini, der die "faschistische Gefahr" verkörperte, empfiehlt zur Rettung "neue Töne", und Berlusconi brüllt: "Ich glaube nicht, daß sich die Italiener von Kommunisten regieren lassen wollen!"

Doch der linksextreme Schein trügt ebenso wie sein Gegenteil. Müde Wähler, von denen diesmal ein Drittel zu Hause blieb, möchten eine Mitte mit Bewegungsfreiheit. Ihr vor allem verdankt ja Italien sein Überleben. Sogar bis zur ewig verzögerten Pensionsreform. Gerade jetzt glückte sie einer Regierung, die freilich auch ohne politische Farbe nicht alt werden kann.