Nichts scheint Tony Blairs rundum erneuerte Labour Party mehr aufhalten zu können. Die konservativen Mandatsträger sind bei den Kommunalwahlen in Englands Städten und Gemeinden zur bedrohten Spezies geworden; in Schottland und Wales hat der Zorn der Wähler sie fast vollständig weggefegt. Bei den Tories herrscht mühsam unterdrückte Panik.

Schuldige werden gesucht und Intrigen gesponnen. Ein paar Minister dürften bei der nächsten Kabinettsumbildung als Sündenböcke herhalten müssen. Gegen Premierminister John Major werden erneut Umsturzpläne geschmiedet, auch wenn man ihn erst im Herbst offen herausfordern kann. Bis dahin zumindest gelten die Loyalitätsschwüre des ewig ambitiösen Rivalen Michael Heseltine.

Doch Major bleibt überraschend unberührt vom innerparteilichen Chaos. Er denkt nicht daran aufzugeben. Selbst die schlimmsten Nackenschläge steckt er gelassen, beinahe heiter weg. Weder schert er sich um die "Bastarde" in seinem Kabinett, noch läßt er sich von den Euro-Rebellen irritieren, die ihn vielleicht schon bald wieder um die knappe parlamentarische Mehrheit bringen.

Könnte es sein, daß der Premierminister sich von der buddhistischen Einsicht leiten läßt, daß Leben im Grunde Leiden und Enttäuschung bedeutet?