Braucht der Staat eigene Banken?Nach der Privatisierung von Post und Bahn gerät nun das Engagement der öffentlichen Hand im Geldgeschäft auf den Prüfstand.Zwar ist der jüngste Vorstoß in Baden-Württemberg, wo die Landesgirokasse Stuttgart privatisiert werden sollte, vorerst gescheitert.Aber das Thema bleibt auf der Tagesordnung.Es geht um mehr als um Erdnüsse.Die Sparkassen und Landesbanken, die den Kommunen, Kreisen und Bundesländern gehören, halten einen Marktanteil von i mmerhin 38 Prozent.Einen ähnlich starken staatlichen Einfluß im Kreditgewerbe kennen nur wenige westliche Industrieländer. Politiker wie Graf Lambsdorff und Vertreter der Privatbanken geißeln diese Verhältnisse von jeher als ordnungspolitische Sünde.Im hiesigen Wirtschaftssystem sei unternehmerische Betätigung grundsätzlich Sache der Privaten, schreibt zum Beispiel die Deutsche Bank.Und sie stößt damit immer häufiger auch bei denjenigen auf offene Ohren, die Privatisierungen früher strikt ablehnten.Der Blick in die leeren öffentlichen Kassen und die Hoffnung auf enorme Verkaufserlöse lassen offenbar so manch hehre s Ideal schwinden. Hinzu kommt, daß die Sparkassen und mehr noch die Landesbanken sich bei Zinsen und Gebühren kaum anders verhalten als private Banken.Was also rechtfertigt das Festhalten an der besonderen Rechtsform?Wenn die Institute keinen öffentlichen Auftrag mehr erfüllen, sondern unternehmerisch tätig sind wie jede Privatbank auch, dann gehören sie tatsächlich privatisiert. Verbandspräsident Horst Köhler hat die Gefahr erkannt und ruft die Sparkassen dazu auf, sich auf ihre alten Stärken zu besinnen.Sie sollen sich auf die Märkte vor Ort konzentrieren, sich im regionalen Vereins-, Kultur- und Sozialleben engagieren und so eine Interessenidentität mit der mittelständischen Wirtschaft, den Bürgern und den Kommunen herstellen.Diese Strategie versucht der CDU-Mann mit dem Hinweis auf den Kommunitarismus, das Engagement für die Gemeinde, gesellschaftspolitisch zu unterm auern.Gleichzeitig betont er aber, daß sich die Sparkassen im Wettbewerb bewähren müssen. Dieser Spagat zwischen öffentlichem Engagement und privatem Wettbewerb dürfte allerdings nur schwer gelingen.Die Sparkassen können nicht gleichzeitig die Kommune, die Kunden und ihre eigenen Bilanzbuchhalter zufriedenstellen.Wenn staatliche Banken eine Daseinsberechtigung haben, dann nur, wenn sie sich nicht nur auf dem Papier, sondern auch in der Praxis vom Streben nach Gewinnmaximierung verabschieden und den Kunden bessere Leistungen bieten als die private Konkurrenz.