Italiens Regierung Lamberto Dini hat mit den Gewerkschaften eine Rentenreform ausgehandelt, die je nach Blickwinkel als "einer der größten Erfolge der Arbeiterbewegung" (PDS-Parteiführer Massimo d`Alema), als "das maximal Erreichbare" (Regierungschef Dini) oder als "ein Schaden für die nächste Generation" (Unternehmerpräsident Luigi Abete) angesehen wird.

Bis heute treten Italiener mit 61 Jahren und Italienerinnen mit 56 Jahren in den gesetzlichen Ruhestand, und falls sie beamtet sind, meist wesentlich früher. Bereits jetzt gibt es mehr Rentenempfänger als Beitragszahler; der Anteil der Altersversorgung am Sozialprodukt ist größer als in jedem anderen Land Europas. Das wird wohl auch lange so bleiben, denn erst im Jahre 2013 wird die jetzt von der Regierung beschlossene Reform, über die allerdings noch das Parlament befinden muß, für alle gelten. Und auch im Jahre 2008 noch können Italiener auf dieser Grundlage mit 57 Jahren in Rente gehen, wenn sie 35 Jahresbeiträge in die Kasse gezahlt haben.

Rom versucht damit eine "Rosenwasserreform", die so weich ist, daß auf dieser Basis schon vor dem Jahr 2000 die nächste Reform fällig ist, es sei denn, der Staat findet wider Erwarten noch mehr Geld für die Deckung des Defizits. Korrekt an der Reform ist, daß in der nächsten Rentengeneration das Altersgeld an der Beitragshöhe orientiert wird und nicht mehr an der zuletzt erreichten Lohnhöhe. Anerkennung verdienen auch Sonderregelungen wie Bonusjahre für Frauen, die Kinder zu versorgen hatten. Aber um dem Grundübel des italienischen Systems beizukommen, daß nämlich die Rentner wesentlich besser gestellt sind als im Rest Europas, und zwar auf Kosten der arbeitenden Generation, dazu ist eine Reform der Reform nötig.