Die Nachbarin im ersten Stock begreift es einfach nicht. Immer noch, nach mehr als zwei Jahren, sagt sie zu Bernhard Hammes "Herr Galal". Seiner Gattin nämlich, Frau Galal, begegnet sie häufig im Hausflur. Deren Namen hat sie sich nun gemerkt. Aber durch diese neumodischen Regelungen blickt sie nicht durch.

Seit 1991 sind Shadea Galal und Bernhard Hammes verheiratet. Doch sie behielten ihre Nachnamen. Shadea Galal ging es nicht nur um den erhabenen Klang ihres ägyptischen Namens, sie sieht in ihm auch einen Teil ihrer Identität.

Das neue Namensrecht gilt seit einem Jahr. Mit ihm ist nun gesetzlich fixiert, was das Bundesverfassungsgericht 1991 vorläufig verfügte: Können sich Ehepartner nicht auf einen gemeinsamen Namen einigen, darf jeder seinen behalten. Der Zwang zum Familiennamen ist damit passé.

Weil Ehepartner dennoch einen gemeinsamen Namen bestimmen "sollen", haben entscheidungsschwache Paare nach der Heirat noch fünf Jahre Zeit, es sich anders zu überlegen.

Ist die Entscheidung für getrennte Namen gefallen, folgt ein Alltag voll der kleinen Plagen: falsch adressierte Briefe; Tischkarten, die einer nicht existenten Frau Hammes, Hammes-Galal oder Galal-Hammes einen Platz zuweisen. Da gilt die Schwester der Gemahlin als Schwägerin - schließlich trägt sie ja den vermeintlichen Familiennamen. Da wird am Arbeitsplatz die säuselnde Stimme der Gattin für den heimlichen Anruf der feurigen Geliebten gehalten und so weiter.

Auch das Ausfüllen von Formularen wird nicht einfacher. "Bei der Einkommensteuererklärung ist oft kein Platz für einen eigenen Namen der Frau", sagt Annette Niederfranke, Frauenbeauftragte im Bonner Familienministerium. "Den muß man mit Kreuzchen auf der Rückseite hinzufügen." Jadine Kirchner, seit knapp zwei Jahren mit Sven Hohmann verheiratet, fand ihre schon vermißt geglaubten Steuerunterlagen beim Buchstaben H - unter dem Namen ihres Mannes. Dort wurden sie automatisch eingeordnet.

Gemeinsame Bankgeschäfte konnten Shadea Galal und Bernhard Hammes erst nach Vorlage der Heiratsurkunde erledigen. "Geschwister können sich dagegen leicht als Eheleute ausgeben", sagt Shadea Galal. "Da fragt niemand nach - nur weil sie die gleichen Namen haben."