Wie die meisten Umweltvergehen mußte auch dieser Fall mehrere Jahre in einem Aktenkarton reifen, bis vor dem Amtsgericht Harburg Anklage erhoben wurde. In den Jahren 1990 und 1991 soll die Recyclingfirma des Angeklagten Ulrich K. (60) mehrmals verunreinigten Industriemüll als normalen Hausmüll abgefahren und auf eine Deponie verbracht haben.

Herr K., ein Fels von einem Kerl, ist sich keiner Schuld bewußt. Das mit dem Sondermüll sei eine "reine Unterstellung", sagt der Angeklagte. Er sei da nur "reingerutscht", weil die Firma S. "so 'n Schweinkram" bei sich im Lager gemacht habe.

Sicher, seine Container hätten bei der Firma S. gestanden, gibt Herr K. zu, aber deren Mitarbeiterin habe er eingeschärft: "Tut da nur rein, was ihr auch verantworten könnt." Und da hätten die sich auch dran gehalten. "Mal ganz direkt, Herr Richter: Für tausend Mark hätte ich dem doch nie 'ne Fuhre Sondermüll abgenommen. So gut kann ich auch rechnen."

Ein Zeuge von der Wasserschutzpolizei bestätigt, daß man zuerst auf die Firma S. aufmerksam geworden sein. Die habe in großem Stil, aber nicht korrekt, mit Arzneimitteln gehandelt. Eine dicke Pulverschicht habe den Boden im Lager bedeckt: "Vitamine, Penizillin, alles dabei." Firma S. soll recht einfach "entsorgt" haben: Das Gebäude stehe auf Stelzen über dem Hafenbecken, erläutert der Zeuge. Da hätten die einfach so lange den Dielenboden gefegt, bis der ganze "Schiet" durch die Ritzen ins Wasser gerieselt sei. Außerdem war dem Polizisten eine Müllhalde aufgefallen: beschädigte Behälter mit undefinierbarem Pulver. Auf Fragen sei ihm erklärt worden, das würde die Firma des Herrn K. entsorgen.

Herr K. bestreitet natürlich, verschmutzte Verpackungen abgeholt zu haben. Angeblich will er die Behälter sogar recycelt haben. Frachtpapiere deuten aber darauf hin, daß die "wertvollen Wirtschaftsgüter" auf den Müll gefahren worden sind. Nur: Der zuständige Mitarbeiter der Arzneimittelhandlung ist inzwischen gestorben, und niemand hat verschmutzten Müll auf den Containern gesehen, eine Einstellung des Verfahrens scheint daher angezeigt.

Und das sei immer eine "Frage des Preises", erläutert der Richter. Plötzlich wird Herr K. einsilbig. Was für einen Wagen er fahre, probiert es der Richter. Der Angeklagte macht ein Gesicht, als wolle man ihm die Backenzähne ziehen: "Einen Mercedes", knurrt er schließlich. "Ein schönes Auto", sagt der Richter. Welches Modell? "Einen 500er." S-Klasse, stellt der Richter befriedigt fest. Nun schwebt dem Staatsanwalt eine stattliche Buße vor: 80 000 Mark. Der Rechtsanwalt hält 20 000 dagegen, "mit Bauchschmerzen".

Nach heftigem Gefeilsche einigt man sich auf 30 000 Mark. Auch das noch "ein ganz schöner Schluck aus der Pulle", findet der Anwalt. Er hat nicht schlecht gepokert, aber sein Klient ist nicht zufrieden. Alle würden nur aufs Auto und aufs Einkommen gucken, schimpft Unternehmer K., Tag und Nacht müsse er dafür schuften, immer "an der Front".