The Germans, sagte mein schwarzer Freund, they can`t say: I don`t know. Wenn er so anfing, the Germans, dann kam immer etwas im Kern Zutreffendes, aber Ungerechtes, eine Verallgemeinerung, etwas, das einen Abwehrreflex in mir auslöste.

They can`t say I don`t know. Der Satz beschäftigte mich. Die Deutschen können es nicht. Aber ich. "Ich weiß nicht", sagte ich fortan immer, wenn ich etwas nicht wußte. Bei meinem Chef kam das nicht gut an. "Bist du verrückt?" fragte meine Kollegin. "Kannst du das nicht geschickter ausdrücken? Du läufst ihm doch ins offene Messer!" - "Hab` ich im Moment nicht im Kopf", sagte ich dann oder: "Das Ergebnis steht noch aus." Auch nicht besonders elegant.

Wie machen es die anderen? Wissen die alle mehr als ich? Unwahrscheinlich. Ich begann zu sammeln. Zum Beispiel in der "Tagesschau". Politiker sagen: "Bevor ich auf Ihre Frage eingehe, muß ich eines klarstellen . . ." Wenn es klargestellt ist, ist die Redezeit zu Ende. Oder sie ignorieren die Frage und erzählen irgendwas. Verblüffung löste jedesmal Schwester Beate aus, die unangenehme Fragen mit der Gegenfrage beantwortete: Wieso? "Hat der Patient Fieber?" - "Wieso?" - "Wie ist der Blutdruck? - "Wieso?" - "Können Sie nicht besser aufpassen?" - "Wieso?"

Die intellektualisierte Version hiervon ist: "Können Sie Ihre Frage noch etwas präzisieren?" Man gewinnt Zeit, zum Beispiel, um in Ruhe nachweisen zu können, daß die Frage dem Gegenstand nicht angemessen sei und überhaupt falsch gestellt. "Für dieses Problem haben wir uns in den siebziger Jahren interessiert. Die heutige Zeit stellt andere Fragen . . ."

Diese Technik habe ich unter der Rubrik "Der Frager ist schuld" verbucht wie die liebenswürdige Auskunft im 109er Bus zum Flughafen: Ganz neu in Berlin, hatte ich nach der günstigsten Haltestelle zum Aussteigen gefragt, wenn ich jemanden abholen wolle, der aus Frankfurt angeflogen komme. Der Busfahrer: "Bin ick `n Pilot?"

"Bin ich ein Psychologe (Betriebswirt, Internist)?" fragte hingegen besagter Chef, wenn er keine Antwort auf meine Fragen wußte. Er war Chirurg. Übrigens sagte er durchaus: "Weiß ich nicht." Als Gegenbeispiel für meinen afrikanischen Freund taugte er trotzdem nicht. Der Tonfall ließ keinen Zweifel: Die Frage war abwegig.

Den Fragenden niedermachen, das ist deutsche Art. Inzwischen haben viele von den Amerikanern gelernt. Die sagen erst mal: A very good question. Der sie gestellt hat, ist geschmeichelt und überlegt sich dreimal, ob er nachbohrt oder die Antwort kritisiert. Wenn man einen eher persönlichen Stil für angebracht hält, kann man auch sagen: "Ich bin Ihnen sehr dankbar für diese Frage."