Burns like fire. Aus den Lautsprechern sickern die Geräusche eines Aufstandes: das Toben der Menge, das Splittern von Glas, das Klatschen von Schlägen. Brennt wie Feuer. Doch es handelt sich um keine Radioübertragung in Echtzeit: Einzelne Episoden dieser Revolte kehren immer wieder, wie musikalische Leitmotive. Mal als präzise Kopien, dann elektronisch verfremdet. Sie bringen Ordnung in das Chaos der Gewaltentladung und machen aus einem Klangdokument eine Symphonie der Aggressivität.

Dirigiert wird die Geräuschkomposition "Burns Like Fire" von einem Mann in einer Ecke der Galerie, in der das Happening stattfindet. In den Händen hält er zwei Infrarotstäbe, mit denen er Schlangenlinien und große Bögen in die Luft malt. Jede Bewegung führt zu einer Änderung des Sounds: Bald kommen Pulsschläge dazu, schließlich gar eine Country-Schnulze, die immer wieder gestoppt und neu gestartet wird - so, als sei die Nadel eines Plattenspielers hängengeblieben.

Ein elektronischer Zirkus - und der Direktor heißt Bob Ostertag.

Live-Elektronik bietet dem Klangbastler aus San Francisco die Möglichkeit, die häufig recht sterilen Sounds aus dem Mikrochip zum Tanzen zu bringen: Er arbeitet mit einer Bibliothek abgespeicherter Töne und Geräusche, deren Abfolge festgelegt ist, die aber in der Konzertsituation manipuliert, deformiert und verstümmelt werden können - kurz: improvisatorische Eingriffe zulassen.

Bob Ostertag, der während der Performance ernst, konzentriert, beinahe wie in Trance wirkt, lacht gern und viel, wenn er solche Details aus seinem Kunst-Handwerk erläutert. Ein Technikfreak sei er nicht. Vor fünfzehn Jahren habe er defekte Kassettenrecorder benutzt, um ähnliche Resultate zu erzielen wie heute mit Sampling und Midi-Technologie.

"Als Teenager begann ich, in Rock-`n`-Roll-Bands Gitarre zu spielen - das Übliche. Dann fügte ich immer mehr elektronische Effekte hinzu. Bald interessierte ich mich nur noch für die Zusatzgeräte und nicht mehr für die Gitarre. Die verschwand aus meinem Leben."

Ende der siebziger Jahre gehörte Bob Ostertag zur New Yorker Musik-Avantgarde um den Saxophonisten John Zorn. Gemeinsam mit Fred Frith, dem britischen Gitarren-Querulanten, betrieb er die Plattenfirma Rift Records. "Voice Of America" hieß eines ihrer Vinylprodukte für einen ziemlich überschaubaren Hörerkreis: Textfetzen aus Fernsehsendungen, von häßlichen Quietschgeräuschen überlagert. Salvadorianische Revolutionslieder, die durch ein vulgäres Synthesizerblubbern gestoppt werden. Gitarrenstakkati, ein Schaben aus Kontaktmikrophonen und manchmal das pure weiße Rauschen.