Der 8. Mai 1945 - ein Tag der Befreiung? Für Polen "mit Sicherheit" nicht, sagte Präsident Lech Walesa mit Nachdruck in Warschau. Die Konferenzen von Teheran und Jalta hatten das Land dem Einfluß Stalins überlassen: Am Tag des Sieges über den Nationalsozialismus saßen die Führer des antifaschistischen polnischen Untergrunds bereits in der Lubjanka. Auf die Freiheit mußte Polen noch 44 lange Jahre warten.

Der verlorene Sieg scheint das Los dieses kleinen Landes zwischen den großen Nachbarn zu sein. Weil sie nicht für Danzig hätten sterben wollen, meinte Walesa, hätten Engländer und Franzosen später für London und Paris sterben müssen: "Wer glaubt, es lohne sich nachzugeben, um die Bestie nicht zu reizen, wird ihr früher oder später selbst zum Opfer fallen." Damals hätte Polen den Beistand gegen Hitler gebraucht. Heute fühlt es sich allein gelassen gegenüber dem "neu erstehenden Imperium" im Osten.

Denn der Westen begegnet Moskau wieder mit größter Nachgiebigkeit. Wer könnte uns denn hindern, Polen und die anderen Staaten Mitteleuropas in die Nato aufzunehmen? Wer, wenn nicht wir selbst?