Wußten wir`s doch. Fliegen ist ungesund. Wobei keineswegs nur die Umwelt Schaden nimmt, sondern auch und vor allem die Passagiere. Wohlgemerkt, wir reden nicht von Abstürzen. Selbst wenn die Maschine hübsch ordentlich dort bleibt, wo sie hingehört, birgt sie Tausende von Gefahren für Leib und Seele.

Diese Hiobsbotschaft konnten wir einem Buch entnehmen, das neulich auf unserem Schreibtisch landete und dessen vergleichsweise harmlos klingender Titel ("Gesünder fliegen - Fit vom Start bis zur Landung") uns zunächst ganz schön aufs Glatteis führte. Wir hielten das Werk nämlich, in Unkenntnis der brutalen Wirklichkeit, für einen jener mitunter ja recht brauchbaren Leitfäden für Flugreisende, die einem ein paar Tips gegen geschwollene Füße verraten. Ein fataler Irrtum, wie sich alsbald herausstellte.

Noch niemals zuvor wurde uns beispielsweise so drastisch vor Augen geführt, daß jede Maschine eine Art fliegender Chemiefabrik ist, in welcher der ahnungslose Passagier dank Dauerbeschuß von Ozon, Keimen, Sporen, Elektrosmog und Pestiziden langsam, aber nachhaltig der Vergiftung anheimfällt. Da soll noch mal einer kommen und sich über die drei verschüchterten Raucher in der letzten Bank aufregen!

Auch mit dem Jetlag, einer Erscheinung, die wir bisher nicht so recht ernst nehmen konnten, soll absolut nicht zu spaßen sein. Erschrocken lesen wir, daß Jetlag gar nicht mal selten Anfälle von Herzrhythmusstörungen, Euphorie und Jähzorn, Halluzinationen und Gedächtnisverlust nach sich ziehen, ja sogar Hämorrhoiden hervorrufen und, ganz entsetzlich, den Sexualtrieb praktisch zum Erliegen bringen kann. Zwar war nicht zu erfahren, wie lange gerade letzteres im Einzelfall anhalten mag. Dennoch werden wir zukünftig vorsichtshalber auf Langstreckenflüge verzichten.

Und wir müssen unbedingt den Zahnarzt aufsuchen. Denn die noch vorhandenen Amalgamfüllungen im Mund könnten, begünstigt durch den niedrigen Luftdruck in der Kabine, quasi wie eine Dynamitladung reagieren und unsere "Zähne förmlich explodieren" lassen.

Jedoch verrät die Autorin dankenswerterweise für nahezu jede lauernde Gefahr auch die entsprechende Gegenmaßnahme. Beruhigend festzustellen, daß der tatkräftige Passagier durchaus in die Geschehnisse eingreifen und so das Schlimmste verhindern kann. Austrocknung der Schleimhäute? Muß nicht sein. Es genügt, "Nase und Mund mit einem großen, wassergetränkten Baumwolltaschentuch" zu bedecken. Damit dieses nicht rutscht: "Wickeln Sie sich die Zipfel um die Ohren." Wer fit bleiben möchte, muß die Eitelkeit eben hintanstellen. Und wenn der Nachbar noch so feixt.

Vornehme Zurückhaltung sollte man aus gutem Grund an Bord ohnedies ablegen, denn: "Wer gesünder fliegen will, macht alle Stunde einen Spaziergang zur Küche." Solch forsche Vorgehensweise beugt immerhin der "Dehydration und der Erschlaffung der Muskeln" vor. Als positiver Nebeneffekt nicht zu unterschätzen sind die daraus resultierenden herzlichen Kontakte zur Besatzung.