Als erfolgreicher Sanierer kann Lufthansa-Chef Jürgen Weber am kommenden Dienstag die Bilanz für 1994 präsentieren. Nach dreieinhalbjähriger intensiver Kärrnerarbeit schreibt die Lufthansa AG erstmals unter der Ägide Webers mit einem Bilanzgewinn von 306 Millionen Mark wieder schwarze Zahlen. Der Vorstandsvorsitzende senkte die Kosten durch den Abbau von über 8000 Arbeitsplätzen, Abstriche am Gehalt der restlichen Belegschaft sowie die Stillegung und den Verkauf eines Teils der überdimensionierten Flugzeugflotte. Mit der von Weber verordneten Schlankheitskur - die Unternehmensbereiche Technik, Luftfracht und Datenverarbeitung wurden in selbständige Aktiengesellschaften ausgegliedert und die restliche Firma auf vier Vorstandsressorts abgespeckt - will Weber dem verschärften Wettbewerb im Weltluftverkehr trotzen.

Nur wenige globale Airline-Allianzen, die miteinander konkurrieren, so Webers Vision, werden die Zukunft bestimmen. Abgesehen von kleineren Beteiligungen an Lauda Air oder Cargolux, setzt er auf Kooperationen ohne finanzielles Engagement wie zwischen Lufthansa und United oder Thai Airways. Mit derartigen Partnerschaften können das Streckennetz und der Service ausgeweitet werden. Die LH-Allianz wird nun um die skandinavische Gesellschaft SAS erweitert. Mit deren Boß Jan Holberg einigte sich Weber nach fast zwei Jahren Verhandlungen über eine intensive Kooperation. Darin geht es um das sogenannte Code-sharing, das Zusammenlegen von Flügen und vor allem darum, die Flughäfen Frankfurt und Kopenhagen-Kastrup als Luft-Knotenpunkte zu koordinieren.

Echte Idealisten hatten es noch nie leicht. Für diejenigen unter ihnen, die vom Umweltschutz so überzeugt sind, daß sie ihr Geld in kleine Stromerzeugungsanlagen stecken, droht die Luft jetzt noch dünner zu werden - weil die Stromkonzerne ihre Chance wittern: Seit 1991 sind die Konzerne gesetzlich verpflichtet, für Strom aus Sonnen-, Wind- und Wasserkraft Einspeisevergütungen zu zahlen, die über den Kosten liegen, die von ihnen selbst in Großkraftwerken hergestellte Elektrizität verursacht. Dies sei nicht mit dem Grundgesetz vereinbar, behauptet die Branche, beruft sich seit einiger Zeit auf das Urteil über die Verfassungswidrigkeit des Kohlepfennigs und fühlt sich offenbar auf der sicheren Seite.

Das Badenwerk will es jetzt genau wissen. In der Hoffnung, der Leidtragende werde eine Klage anstrengen, kürzten die Karlsruher Elektromanager Richard Kail, dem Betreiber eines kleinen Wasserkraftwerkes am Flüßchen Tauber, die Vergütung für seinen Strom von rund 15 auf maximal 8,5 Pfennig pro Kilowattstunde. Gerhard Goll, Vorstandssprecher des zu 49 Prozent in Landesbesitz befindlichen Stromversorgers, handelte sich dadurch zwar eine Rüge des baden-württembergischen Wirtschaftsministers Dieter Spöri ein, der das Vorgehen für "nicht akzeptabel" hält. Doch gab der Manager keineswegs klein bei; vielmehr gehe es darum, "ideologiefrei, leidenschaftslos und nüchtern Rechtsfragen prüfen zu lassen". Manfred Lüttke, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Wasserkraftwerke Baden-Württemberg, wirft dem Juristen Goll dagegen einen "kriminellen Rechtsbruch" vor.

Andere Stromversorger versuchen derweil, Freunden regenerativer Energie den Spaß auf andere Weise zu verderben. Der Rostocker Filiale einer Großbank teilte die Westmecklenburgische Energieversorgung AG (Wemag) mit, daß die "Einspeiserlöse aus den von Ihnen finanzierten Windenergieanlagen" nur noch unter Vorbehalt gezahlt werden. Die Logik dahinter: Weniger Erlöse, weniger Kredite für den Bau von Windmühlen.

In die Luft gehen mochte Bernd Schweitzer, Vorstandsvorsitzender von British-American Tobacco (Germany) nicht, dennoch war seine Kritik an der neuesten PR-Aktion des Konkurrenten Reemtsma deutlich. Die Hamburger Nachbarn werben neuerdings nämlich für Reisen unter dem Label Peter Stuyvesant Travel mit Fernsehspots. Schweitzer hält dies für "keinen guten Weg", da die Zigarettenbranche glaubwürdig bleiben müsse. Hintergrund: Bereits Anfang der 70er Jahre hatte die Branche in Deutschland "freiwillig" auf jegliche Fernsehwerbung für Zigaretten verzichtet, und dies wurde wenige Jahre später sogar noch durch Gesetz festgeschrieben. Und nicht nur die Konkurrenz sieht das Vorpreschen der Reemtsma-Leute (West, Peter Stuyvesant) als problematisch an. Einen "Grenzfall" nennt auch Volker Nickel vom Zentralverband der Werbewirtschaft (ZAW) die Fernsehreklame. Zulässig sei diese nur dann, wenn die Stuyvesant-Reisen keine reine PR-Aktion für die Marke, sondern ein auf Dauer angelegtes eigenständiges Geschäft seien. Auf solche Grenzfälle möchte sich Schweitzer (mit seinen Marken Lucky Strike, HB oder Pall Mall) nicht einlassen: Beim millionenschweren Relaunch der von anhaltenden Marktanteilsverlusten geplagten guten alten HB in neu gestylter Verpackung setzen die BAT-Strategen brav auf Plakate und Anzeigen. Slogan zum 40. Geburtstag der Gute-Laune-Marke: "HB? Ich auch".

Wen du nicht schlagen kannst, mit dem verbünde dich. Getreu diesem Motto vollzogen die Verantwortlichen an den Börsen in Düsseldorf und München jetzt eine überraschende Kehrtwende. Nachdem sie jahrelang vergeblich versucht hatten, dem übermächtigen Finanzzentrum Frankfurt Paroli zu bieten und die eigenen Wertpapiermärkte vor dem langsamen Niedergang zu bewahren, wollen sie nun mit dem ungeliebten Konkurrenten gemeinsame Sache machen. Die geplante Zusammenarbeit sieht eine gewisse Aufteilung des Aktienhandels auf die drei Plätze vor. Ob die Börsen in Düsseldorf und München mit diesem Schachzug allerdings ihre Existenz langfristig sichern können, ist fraglich.