OSLO. - Im jüngsten kroatischen Kriegsdrama, in dem die kroatische Armee fast ganz Westslawonien von den Krajina-Serben zurückerobern und ihre Position an anderen Frontabschnitten verstärken konnte, benahmen sich die Hauptdarsteller sonderbar.

Der kroatische Präsident Franjo Tudjman erwies sich als eigensinnig. Er zog in den Krieg, obwohl er der "internationalen Gemeinschaft" versprochen hatte, die Waffen ruhen zu lassen. Die Führung und das Militär der Krajina-Serben aber zeigten sich völlig "überrumpelt" vom Angriff der kroatischen Armee, obgleich die militärischen Vorbereitungen des Gegners mindestens zehn Tage lang mit bloßem Auge erkennbar waren. Eine Ausnahme bildete das "Verkehrsministerium" der Serben in Kroatien, das vorbereitet "zurückschlug" und Autobusse sowie andere Gefährte an die Front schickte, um Zivilisten zu evakuieren, während sich die serbischen Panzer eiligst zurückzogen.

Überrascht zeigte sich auch die "internationale Gemeinschaft", obwohl die Blauhelme schon seit Tagen Truppenbewegungen der kroatischen Armee beobachten konnten. Die "internationale Gemeinschaft" reagierte mit einer nachdrücklichen Aufforderung, die Kämpfe sofort zu beenden. Als der kroatische Präsident dann erklärte, es handelte sich nur um eine "zeitlich und räumlich begrenzte Aktion", fiel den Autoren der Forderung ein Stein vom Herzen. Sie verabschiedeten eine Resolution im Sicherheitsrat, die allerdings nicht die Bedingung enthielt, den Zustand vor den Kämpfen wiederherzustellen.

Aber auch diese Legalisierung der militärischen Erfolge Tudjmans und die durch sie veränderte Situation hat den serbischen Präsidenten Slobodan Milosevic nicht aufgebracht. Seine Medien, allen voran das serbische Fernsehen, haben erst Tage nach Beginn der Kämpfe gemeldet, daß in Kroatien etwas passiert sei. Genauer: erst wenige Minuten vor seiner öffentlichen Erklärung, in der er ganz unvoreingenommen sowohl die kroatische Aktion als auch die serbischen Raketenangriffe auf Zagreb verurteilte. Milosevic sprach sich für den Schutz der Bevölkerung sowie für eine Unterstützung der Friedensbemühungen der "internationalen Gemeinschaft" aus.

Diese Verhaltensweisen der Hauptdarsteller im kroatischen Kriegsdrama können nur dann als normal und logisch erscheinen, wenn man davon ausgeht, daß den neuen militärischen Aktionen in Kroatien eine geheime Absprache vorausging, deren zentrale Idee die Schaffung einer neuen jugoslawischen Gemeinschaft ist. Dann erst paßt alles zusammen.

Tudjman muß auf militärischem Wege einen großen Teil des Territoriums zurückgewinnen, um das Image des Verlierers ablegen zu können. Dies hatte ihn bislang daran gehindert, größere politische Zugeständnisse zu machen, aber auch Gebietsverluste kompensieren zu können, die ein Tauschhandel mit Milosevic vorsähe. Milosevic wiederum muß Teile der jetzigen "Republika Srpska Krajina" in Kroatien militärisch verlieren, um die Moral der kroatischen Serben zu stützen und sie anschließend davon überzeugen zu können, in Kroatien zu verbleiben.

Die internationale Gemeinschaft wiederum muß den militärischen Austausch von Territorien ermöglichen, weil sich nur dadurch die Führer der verfeindeten Völker zu größeren politischen Konzessionen bereit finden würden. Ohne diese größeren Zugeständnisse aber gibt es keinen neuen politischen Rahmen zur Lösung der Konflikte im ehemaligen Jugoslawien: eine Union südslawischer Staaten, deren innere Ordnung weder Dominanz noch Diskriminierung der einen oder anderen erlaubt.