Der Trendforscher war in die Jahre gekommen. Die Haare gingen ihm aus, morgens rasierte er sich jetzt immer den Kopf. Daß diese schrecklichen Straßenkehrerwesten einmal der Hit werden würden, hatte er ebenso verschlafen wie den Run auf Nasen-, Brustwarzen- und Bauchnabelringe. Und die Girlies und Mega-Babes hatten die Jungs vom Spiegel erfunden.

Seine letzte große Idee, die er immerhin an ein Magazin verkaufen konnte ("Immer mehr Betrogene wehren sich jetzt gegen unlautere Haarverpflanzung"), hatte keinen rechten Beifall gefunden. Nun saß er in der U-Bahn und hoffte auf Inspiration. Wenn die Kastanien blühen, schärft sich ja der Blick für die anderen. Da war zum Beispiel dieses Mädchen.

Als sie einstieg, fand sie keinen Sitzplatz und stellte sich neben ihn. In den letzten Tagen mußte sie in der Sonne gelegen haben. Ihre Haut hatte einen Anflug von Bronze, was ihre Augen noch blauer erscheinen ließ, als sie es ohnehin schon waren. Sie trug ein sandfarbenes Kostüm aus Leinen und dunkelbraune Sandalen, zwischen deren Riemen ihre feingezeichneten griechischen Zehen zu sehen waren. Es waren ausgesprochen hübsche Füße. Sie hielten jedem Vergleich mit ihren Händen stand.

Auf den Rücken hatte sie einen Rucksack geschnallt. Seit kurzer Zeit, schien es ihm, trugen sie fast alle einen.

Der Trendforscher registrierte jedes Detail. Der Rucksack war aus schwarzem Leder und ebenso geschmackvoll gewählt wie ihre Kleidung. An der Außenseite waren drei kleine Taschen angebracht, deren metallene Reißverschlüsse glänzten. Die scharfkantigen Schieber daran waren ebenfalls aus Metall.

Er atmete den Duft von blühender Schlehe, der von dem Mädchen auszugehen schien, und überdachte seine Eindrücke. Er ging wie immer systematisch vor. Erstens: Es gibt Menschen, die einen Rucksack tragen. Zweitens: Es werden immer mehr. Drittens: Also verkörperte dieses Mädchen einen Trend.

"In den letzten zwei Jahren", murmelte er, "hat sich die Nachfrage nach Rucksäcken bestimmt verdreifacht." Allerdings mußte auch da differenziert werden. Rucksack ist schließlich nicht gleich Rucksack. Es war ja keiner dieser winzig kleinen Rucksäcke, in die man kaum mehr als ein Portemonnaie stopfen kann, bevor die Nähte reißen. Er war auch nicht von der Art, die sich die Menschen auf den alten Photographien umgeschnallt hatten, wenn es ans Hamstern ging oder am Bahndamm auf die Suche nach Kohlen. Am wenigsten gemein hatte er mit dem Typus Rucksack, in dem Zelt, Proviant und Gaspatronen verstaut werden, wenn es für zwei Wochen nach Nordschweden geht.