Die Fangemeinde hatte gut aufgepaßt. Wenige Minuten nach der Auktion sauste die Nachricht durch das Internet: Die Überreste der Weltfirma Commodore gehören von jetzt an der Bochumer PC-Handelskette Escom. Vor einem Jahr hatte Commodore Konkurs anmelden müssen, nun fiel in New York der Hammer: Am 21. April sicherte sich Escom für 13,4 Millionen Dollar den Markennamen, die Technik und die paar verbliebenen Fertigungsstätten der legendären Computerfirma.

Die vielen Getreuen, die dem Unternehmen über sein Ende hinaus immer noch anhängen, wälzen seither in den Diskussionsforen der Netze stets von neuem die Frage: Ist ein deutscher PC-Krämer imstande, die ruhmreiche Tradition des Computerpioniers fortzusetzen?

Schließlich waren die Leute von Commodore die Schöpfer des C 64, des weltweit meistverkauften Heimcomputers, der einen neuen Markt geschaffen und lange Zeit beherrscht hat. Ganz zu schweigen vom zweiten Erfolgsmodell aus dieser Werkstatt, der Amiga-Baureihe, die von 1986 an mit bis dahin unerhörten Fähigkeiten aufwarten konnte. Der Amiga war wie geschaffen für die Bearbeitung von Bildern und Klängen, er war einfach zu bedienen und ohne weiteres auszubauen. Mit einem Wort: Er hatte schon damals alles, was man heute von einem Multimediacomputer verlangt.

Dennoch gelang es dem Management von Commodore, mit einer Serie schwerer Fehlentscheidungen das Unternehmen auf Grund zu setzen. Escom will es jetzt besser machen. Binnen drei Monaten sollen die Amiga-Versionen 600, 1200 und 4000 wieder gebaut werden, zunächst von der chinesischen Firma Tijanjing Family-Used Multimedia; mit weiteren Lizenznehmern wird verhandelt. Selbst der alte Commodore C 64, der Volkswagen unter den Heimcomputern, soll auferstehen: Für ihn rechnet sich Escom gute Chancen auf den Märkten Osteuropas aus.

Allerdings sind die Absatzmöglichkeiten der alten Commodore-Technik beschränkt. Zu lange schon hat sich niemand mehr so recht um sie gekümmert, und in den letzten anderthalb Jahren haben andere Systeme bedenklich aufgeholt. Escom will deshalb einen neuen Amiga entwickeln, der auf dem schnellen PowerPC-Prozessor von Motorola und IBM beruht. In der Zwischenzeit sollen auch Steckkarten angeboten werden, mit denen die multimedialen Fähigkeiten des Amiga einem handelsüblichen PC implantiert werden können.

Dies alles wird viel Geld und Entwicklungszeit kosten. Die größte Sorge der Amiga-Gemeinde ist, daß die deutsche Handelskette, die bislang lediglich PCs nach Industriestandard zusammengeschraubt und verkauft hat, sich mit ihrem Vorhaben übernommen haben könnte. Oder daß ob der Anstrengungen der aufwendige Service für die alten Commodore-Kunden leiden könnte. Immerhin sind insgesamt mehr als vier Millionen Amiga-Computer verkauft worden; viele von ihnen tun noch irgendwo ihre Dienste.

Escom läßt sich davon nicht schrecken. Manfred Schmitt, der Gründer und Vorstandsvorsitzende der Bochumer Firma, hat bereits angekündigt, seine Ladenkette in einen "Multimedia-Konzern" zu verwandeln. Sollte es dazu kommen, gewinnt Für Escom ist die Amiga-Technik der Schlüssel zum Multimedia-Markt sein Coup bei der New Yorker Versteigerung langfristige Bedeutung: In den verlassenen Entwicklungslabors von Commodore ruht eine neue Amiga-Technologie, deren Entwicklung nahezu abgeschlossen ist. Sie bietet Graphikfähigkeiten, die denen professioneller Workstations nahekommen. Darüber hinaus liegen die ersten Studien eines Betriebssystems vor, das in der Lage ist, auch DOS- und Windows-Programme abzuarbeiten. Mit einem PowerPC-Prozessor als Schrittmacher könnte daraus ein leistungsfähiges Multimedia-System werden.