Kaum eine Region wurde so häufig als Feinschmeckerparadies beschrieben wie das Elsaß. Alle Genießer, für die eine Reise erst dann gelungen ist, wenn neben Landschafts- und Kulturerlebnissen auch kulinarische Bedürfnisse nicht zu kurz kommen, werden ihre Freude am "Elsaß"-Band des Autorenteams Martina Meuth und Bernd Neuner-Duttenhofer haben. Das Buch ist Bildband, Reiseführer und Kochbuch in einem.

Ein ausführliches Vorwort steckt die Grenzen dieser Region ab, die "nicht mehr Deutschland, aber auch noch nicht ganz Frankreich" ist. Dann folgt eine Reise durch alle vier Jahreszeiten, durch "Winstubn", wie hier die Gasthäuser heißen, in Käsereien und Destillerien. Ein Jahr lang - von der Kirschblüte im Frühling bis zum Winter, wenn die Zeit für die Obstbrände gekommen ist - waren die Autoren immer wieder im Elsaß unterwegs, um Stimmungen und Erlebnisse einzufangen und Fakten zu sammeln. Auf diese Weise haben sie in derselben Reihe bereits Bücher über die Toskana, Baden, Bayern, Venetien/Friaul, die Provence und die Schweiz erarbeitet.

Opulente Photos zeigen auf Doppelseiten die schönsten Fachwerk-Dörfer, Gasthäuser und die köstlichen Gerichte des Elsaß. In Text und Bild erschließen die Autoren die Landschaft über ihre Bewohner. So erfährt der Leser manche Anekdote aus Küche und Keller. Er schaut Köchen in die Töpfe und beobachtet den Käsemeister bei der Arbeit. Man erfährt, was die farbigen Weinetiketten des Winzers Jean Halbeisen bedeuten, und kann schließlich Gerichte wie das berühmte Choucroute (das deftig-delikate Sauerkraut), Ochsenmaulsalat oder den klassischen Elsässer Gugelhupf selbst herstellen - weil bekannte Restaurants ihre Rezepte zur Verfügung gestellt haben.

Natürlich darf das Flaggschiff elsässischer Kulinarik nicht fehlen: die "Auberge de L`Ill" der Familie Haeberlein in Illhausen, von Gastro-Kritikern immer wieder zum besten Restaurant Europas oder gar der Welt gekürt. Ihre Rezepte haben die Haeberleins allerdings nicht verraten, hier muß der Feinschmecker sich mit den Photos begnügen.

Das Buch ist anschaulich und klar verfaßt, selten nur verfallen Meuth und Neuner-Duttenhofer in blumiges Gastro-Deutsch, und nie erliegen sie der bei Bänden dieser Sparte weit verbreiteten Versuchung, mit ihrer Kennerschaft arrogant alle weniger Erfahrenen als Barbaren auszugrenzen. Ein Rezept- und ein Stichwortregister sowie ein Adressenverzeichnis erleichtern die Handhabung.

Ein Wort der Kritik jedoch an die graphische Gestaltung: Brutal wirken manche graue Kästen mit Rezepten und kleine Photos, die auf Doppelseiten eingeklinkt werden, so daß deren großes Motiv kaum noch zu erkennen ist. Sie sind der einzige Mangel dieses sonst so gelungenen Buches.

Martina Meuth und Bernd Neuner-Duttenhofer: Elsaß Küche, Land und Leute; aus der Reihe "Kulinarische Landschaften"; Droemer Knaur, München 1994; 253 S., 98,- DM