Immer neue Rekorde des amerikanischen Dow Jones, die Beruhigung an den internationalen Devisenmärkten und der Rückgang der Zinsen am Rentenmarkt geben eigentlich ein günstiges Umfeld für den deutschen Aktienmarkt ab. Sorgen bereiten allerdings die niedrigen Umsätze. Als Käufer fehlen nicht nur inländische Großanleger, sondern vor allem ausländische Investoren, die sich fast völlig zurückgezogen haben. Von deutschen Investmentfonds werden keine Impulse erwartet, weil sie die für deutsche Aktien vorgesehenen Mittel bereits weitgehend investiert haben. Überdies ist zu beobachten, daß jeder Kursanstieg schon nach kurzer Zeit durch Gewinnrealisationen ins Stocken gerät.

Größere Kursveränderungen werden von Zeit zu Zeit durch Nachrichten über Unternehmen hervorgerufen - und zwar nach oben wie nach unten. In der Vorwoche verloren Schering-Aktien in zwei Börsensitzungen rund vierzehn Prozent, als bekannt wurde, daß das Unternehmen währungsbedingte Gewinnrückgänge hinnehmen muß und überdies das Präparat Betaseron zur Behandlung von Multipler Sklerose in den Vereinigten Staaten längst nicht die erhofften Verkaufszahlen zu bringen scheint. Auf der anderen Seite sorgte die Computerfirma SAP erneut für eine Überraschung. Umsatz und Gewinne weisen überraschend hohe Steigerungsraten auf.

Wie empfindlich der deutsche Aktienmarkt im Grunde geblieben ist, zeigte sich, als die Kapitalerhöhung der Deutschen Pfandbriefanstalt Depfa bekannt wurde: Sofort fiel der Kurs der alten Depfa-Aktien überdurchschnittlich zurück, obwohl gerade vorher einige Analysten sie als kaufenswert eingestuft hatten. Auch andere Bankaktien werden von vielen Experten in der gegenwärtigen Situation immer noch als zukunftsträchtig empfohlen; dies vor allem vor dem Hintergrund des überraschend kräftigen Zinsrückgangs.

Die niedrigen Zinsen erlaubten es dem Bund, seine neue zehnjährige Anleihe nur noch mit einer Rendite von 6,78 Prozent auszustatten. Für private Anleger ist das allerdings ein inakzeptabler Satz, denn im Markt lassen sich für zehnjährige Papiere bessere Konditionen erzielen. Das ausländische Interesse für deutsche Anleihen geht zurück. Rentenmarktexperten haben beobachtet, daß internationales Kapital in die italienische und spanische Währung geflossen ist. Die Anleger setzen offenbar auf die guten Zinsen und erwarten Währungsgewinne.