Vor dem Laden hängen noch ein paar Luftballons von der Eröffnung herum. Drinnen aber sitzen sechs Kinder vor Computern, und es herrscht lebhafter Betrieb: Gurgelnd kleckern Malpinsel, Hunde bellen, Türen knallen, Eier klackern, dröhnende Staubsauger schlürfen lila Farbe. Die Kinder, alle etwa vier Jahre alt, werken mit dem Malprogramm "Fine Artist" von Microsoft; sie tüfteln an bunten Bildhintergründen und schrillen Schriftzügen. Und Sascha späht erwartungsvoll in den Schacht des Farbdruckers. "Da sind viele kleine Pinsel drin", raunt er den anderen zu, "die malen jetzt das Bild." Draußen an der Schaufensterfront prangt in knalligem Rot der Schriftzug "Futurekids".

So nennt sich das neue Münchner Lerncenter, in dem "die Kinder von morgen sanft und spielerisch" in die Welt des Computers eingeführt werden. Das verspricht jedenfalls die Firma, die hinter der Sache steckt: ein amerikanisches Franchise-Unternehmen namens Futurekids. 1983 fing der Gründer Peter Markovitz mit einer Privatschule im kalifornischen Westwood an; inzwischen betreibt er von Los Angeles aus 430 solcher Computer-Center in mehr als fünfzig Ländern, von den USA bis nach Bangladesch. Jeden Monat werden weltweit sieben bis zehn neue Futurekids-Läden eröffnet.

Seit Januar ist der erste deutsche Testshop im Münchner Stadtteil Forstenried in Betrieb, und mit Erfolg. Fast hundert Kinder im Alter von vier bis vierzehn Jahren sind hier inzwischen angemeldet worden. Für rund 25 Mark pro Stunde lernen sie, Briefe zu schreiben, Graphiken zu gestalten, kleine Bücher zu erstellen. Und wer will, kann per E-Mail Freundschaften mit Futurekids auf der ganzen Welt knüpfen. Eine Stunde pro Woche verbringen die Kinder im Laden. Am Ende jeder Lerneinheit dürfen sie eine bunte "Megabyte"-Marke in ihren "Futurekids-Passport" einkleben. Auch das Cyberspace- Zeitalter hat seine Fleißkärtchen.

Eine Lehrerin hilft den Kleinen, ihre Farbausdrucke mit Schere und Prittstift weiter zu bearbeiten, die Älteren beschäftigen sich schon mit einem kleinen Buchprojekt, oder sie sammeln die Ergebnisse ihrer Forschungsreisen durch die Weltmeere. Die Lernsoftware "Abenteuer Unterwasser" aus dem Verlag Heureka-Klett macht es möglich. Mit steigendem Alter steigen auch die Anforderungen.

Meist sitzen die Kinder zu zweit vor dem Computer. Die "soziale Interaktion" soll nicht verlorengehen. "Wir schaffen keine Einzelgänger und Technikfreaks. Futurekids führt Ihre Kinder behutsam an diese Welt heran. Wer rechtzeitig darauf vorbereitet wird, hat die Nase vorn", sagt die Werbung.

Bis Jahresende sollen mindestens zwölf weitere Computerschulen entstehen, unter anderem in Berlin, Hamburg, Hannover, Köln, Frankfurt, Leipzig und Dresden, allesamt betrieben von den Jungunternehmern Bernd Zander und Joachim Kautz. Die beiden haben sich die deutschen Lizenzrechte der Futurekids-Idee gesichert. Und sie haben mächtige Freunde.

"Gewundert haben wir uns schon", sagt Rosi Sachs, als plötzlich ein Brief kam von Futurekids. Ein ungenannter Gönner, so stand da zu lesen, habe für den kleinen Hansi Sachs einen Gratis-Schnupperkurs gespendet. "Und auf dem Umschlag war da noch ein Stempel vom Burda-Verlag."