or Zeiten, als man es mit den Strahlen noch nicht so genau nahm, gab es in fortschrittlichen Schuhgeschäften einen Apparat, bei dem man unten die Füße mit den neuen Schuhen über eine Art Lampe stellte und oben auf einer Mattscheibe kontrollieren konnte, ob die vielen kleinen Fußknöchelchen freies Spiel hatten oder etwa irgendwo zusammengedrückt wurden. Das war eine Art Röntgenapparat, und die skelettierten Füße auf dem Bildschirm boten einen ebenso unheimlichen wie faszinierenden Anblick.

Dann erzählte mir jemand - und konnte es auch beweisen -, daß der Apparat einen Namen habe, er heiße: Autoelektroteslaphotokathodaskop. Das mußte aufgeschrieben werden, und dann hielt es über Jahrzehnte im Gedächtnis, wurde genüßlich wiedergekäut, wo immer sich eine Gelegenheit dazu bot: Autoelektroteslaphotokathodaskop. Gelegentlich zählte ich auch aus, wie viele a und o und e das Wort enthält und welche Buchstaben darin überhaupt nicht vorkommen.

Wörterspiele. Das ist natürlich nur einer und dazu ein sehr vordergründiger Aspekt auf die Erzeugnisse, mit denen die Erfinder unser Leben ausstaffiert haben. Geheimnisvolle Vorrichtungen, Apparate und Maschinen aller Art, undurchschaubare Kästen mit Schaltern und Knöpfen - von den Fachleuten mit mehr oder weniger künstlichen Namen belegt, die für den Außenstehenden manchmal kaum verständlich sind, im Kreis der Eingeweihten aber vertraut und eindeutig.

Die Verlockung solcher Wörter ist nicht der geringste von allen Reizen eines Buches, das knapp 200 Mark kostet, Jahr für Jahr in einer neuen Auflage von 80 000 Exemplaren erscheint und acht großformatige Bände von insgesamt 36 Pfund Gewicht umfaßt; aufeinandergestapelt sind sie gut als Hocker verwendbar.

Die acht Bände sind in dunkelblaues Kaliko gebunden, und darauf steht in weißer Schrift die Frage, die auf 17 000 Seiten vielstimmig und vielsprachig beantwortet wird: Wer liefert was?

Das Werk erscheint seit 1932 - und es ist noch nicht lange her, kaum zwanzig Jahre, da genügte für die Auskünfte ein einziger Band, ein Sechspfünder immerhin. Die Zeiten waren wohl noch etwas bescheidener, die Zahl der Industriegüter war wirklich geringer und die Europäisierung noch nicht so weit fortgeschritten, daß man, wie heute, sechs Sprachen und vier eigene Länderbände braucht, um alles aufzulisten, was hierzulande, in Österreich, in der Schweiz und in den Benelux-Ländern erzeugt wird.

Eine Steigerung scheint möglich. Die Firma Ameritech, zu deren Imperium "Wer liefert was?" gehört, stößt unter dem Leitwort "Ihre Verbindung zu einem besseren Leben" fürchterliche Fortschrittsdrohungen aus: "Unterstützt von den fünf Bell Companies im Mittleren Westen der USA und anderen Tochtergesellschaften bietet Ameritech vielfältige Dienstleistungen: Telephonservice, mobile Kommunikation, Firmenverzeichnisse, Sprachübermittlung, Kundensystemanpassungen und Audioplex-Service."