Die Deutsche Bahn AG will den Preis für das "Schöne Wochenende"-Ticket Ende Mai auf dreißig Mark verdoppeln. Dafür soll das Angebot für den Nahverkehr auch in allen Verkehrsverbünden gelten.

Die meisten der sechzehn Verkehrsverbünde hatten die Billigfahrkarte - bis zu fünf Erwachsene zahlen nur fünfzehn Mark - in U-Bahnen, Straßenbahnen und Bussen bislang nicht anerkannt, weil das "Schöne Wochenende" viele ihrer Tarife weit unterbot.

"Wenn das Ticket in allen Verbünden gilt, erhalten die Kunden eine doppelte Leistung", begründete Bahnsprecher Martin Katz den geplanten Aufschlag. "Es ist nach wie vor ein sensationeller Preis." Die Verhandlungen sind noch nicht abgeschlossen. Schwierig gestalten sich die Gespräche vor allem mit den Verbünden im Rhein-Main- Gebiet, in Berlin und München. Auch das Bundesverkehrsministerium muß noch zustimmen.

Mit der Einführung des "Schönen Wochenendes" hatte die DB im Februar Aufsehen erregt. Die Fahrkarte erlaubt seither samstags und sonntags die Benutzung aller Nahverkehrs- und Eilzüge der Bahn ohne Entfernungsbegrenzung. Ausflügler sollen dazu ermuntert werden, statt mit dem Auto mit der Bahn ins Grüne zu fahren. "Darum gilt das Angebot für fünf Personen", erklärte Frau Geißler-Schild.

Der Nahverkehr der Bahn wurde bislang vor allem von berufstätigen Pendlern und Schülern genutzt. Am Wochenende fuhren die Züge zumeist leer. Das hat sich in den letzten drei Monaten grundlegend geändert: Bei schönem Wetter sind pro Wochenende eine halbe Million Menschen mit dem Discountfahrschein unterwegs. Findige und geduldige Tüftler gelangen mit dem "Schönen Wochenende" an zwei Tagen auch durchs ganze Land.

Umfragen ergaben, daß die Bahn mit der Billigofferte vierzig Prozent neue Kunden gewinnt. "Außerdem haben wir herausgefunden, daß drei Viertel aller Deutschen noch nie mit der Eisenbahn gefahren sind", sagte Bahnsprecherin Christine Geißler-Schild.

Das Lockvogelangebot sorgt vor allem auf besonders reizvollen Strecken Richtung Nordsee oder Alpen für teilweise chaotischen Andrang. Allerdings herrschen diese Zustände nach Bahnangaben nur in zwei Prozent der 25 000 Züge, die an Wochenenden pro Tag im Nahverkehr rollen. Immerhin werden auf den besonders nachgefragten Abschnitten nun längere Züge eingesetzt.