Es gibt einen Weltspartag, einen Tag des Bieres und nun sogar, am 9. Mai, einen "Tag der Milch". Dazu erreichen uns zwei verwirrende Meldungen. Erstens: Die Molkereien verkünden stolz, daß die deutschen Kühe ihre Milchleistung im vergangenen Jahr auf die Rekordsumme von 26 Millionen Tonnen gesteigert haben. Zweitens: Die Arbeitsgemeinschaft bäuerlicher Landwirtschaft und die Verbraucherinitiative fordern gemeinsam "einen Boykott der Dauerbilliganbieter von Milch und Milchprodukten".

Verkehrte Fronten, könnte man meinen. Ausgerechnet die Verbraucherschützer wollen uns die 99-Pfennig-Milchtüte vermiesen, welche das angespannte Haushaltsbudget doch seit Jahren entlastet. Die Billigpreise zerstören die bäuerliche Landwirtschaft und schaden damit der Qualität der Milch, argumentieren die vereinten Alternativ-Initiativen. Unser Gewissen regt sich. Doch was passiert, wenn wir hinfort nur noch die teure Kleinbauernmilch kaufen, davon aber weniger? Der Milchsee schwillt, und die EU läßt uns, nach altbekanntem Muster, für Exportsubventionen gleich nochmals zahlen. Ein echtes Dilemma. Vielleicht sollten wir einfach am Tag der Milch die Kühe bitten: Gebt weniger Milch, ihr Guten!