Der April 1995 wird als Katastrophenmonat in die Annalen der österreichischen Skiindustrie eingehen: Die traditionsreiche Skifirma Blizzard reichte den Konkursantrag ein, nachdem der Branchenprimus Atomic im Oktober bereits seine Insolvenzmeldung abgegeben hatte. Gleich nach Blizzard folgte der Branchenzwerg Hagan, bei dem im Januar der japanische Partner Yamaha abgesprungen war. Die Hälfte der sechs österreichischen Skifabriken hat damit binnen sechs Monaten Pleite gemacht. Der österreichischen Brettlbranche droht der totale Ausverkauf.

Jahrzehntelang wurden die Skikaiser Franz Kneissl, Josef Fischer, Anton Arnsteiner (Blizzard) und Alois Rohrmoser (Atomic) von den Medien der Alpenrepublik hochgejubelt, leisteten sich kostspielige Rennställe, sonnten sich im Glanz von Olympiasiegern und Weltmeistern. Doch schon 1981 erwischte es Franz Kneissl, dessen "White Star" das legendäre Arlberger Skias Karl Schranz einst so richtig zum Leuchten brachte. Unter eher dubiosen Umständen sperrte die Creditanstalt seinerzeit plötzlich die Konten, das Unternehmen wurde von einem Sanierungsteam gesundgeschrumpft und mit einer Marktnischen-Politik (letzter Hit: der Kürzest-Ski "Big foot") aus dem Konkurs geführt. Exfirmenchef Kneissl blieb - ohne Vermögen - auf der Strecke und verstarb vor einem Jahr.

Wenig zimperlich sprang die Creditanstalt vor fünf Jahren auch mit Kneissls Erzrivalen Josef Fischer um. Die drohende Pleite vor Augen, mußte der erfolgsverwöhnte Fabrikant das Firmensilber verhökern und Verlustbringer abstoßen: Die Skischuhtochter Dynafit wurde an die Schweizer Raichle-Konkurrenz, die nun selbst mit Problemen kämpft, für einen symbolischen Schilling verkauft, die Vorarlberger Skifabrik Kästle wurde vom italienischen Benetton-Konzern günstig übernommen. Grundstücke und sonstiges Verwertbares wurden zu Geld gemacht - darunter der legendäre Helikopter, mit dem der flotte "Pepi" einst zu den Skirennen flog.

Als Skifabrikant steht Fischer unter Kuratel der Hausbank, die ihn nach der Krise aus der Geschäftsführung drängte. Und der japanische Generalvertreter Kanematsu, dem bereits 29 Prozent des Unternehmens gehören, hat eine Option auf weitere 21 Prozent.

Derweil gehen die einstigen Heiligtümer der Skination reihenweise an ausländische Interessenten. Blizzard könnte an die französische Konkurrenz gehen. Kästle ist bereits in italienischer, die Kärtner Skifabrik Elan in slowenischer Hand. Und Atomic wurde inzwischen vom finnischen Sportartikelkonzern Amer geschluckt. Doch das Drama der Firma scheint damit nicht beendet. Der Marketingchef warf sich vor zwei Wochen, einen Tag vor der Präsentation des neuen Konzeptes, in einer Verzweiflungstat vor den Zug. Hundert Mitarbeiter wurden von den Finnen bereits vor die Tür gesetzt. Branchengerüchte kolportieren horrende Verluste.

Die Vorarlberger Skifabrik Head wurde zwar vor vier Jahren durch den staatlichen Tabakmonopolisten ATW von amerikanischen Investoren "heimgeholt". Doch vorerst müssen die österreichischen Tabakmanager kräftig Lehrgeld zahlen: Die Bankschulden werden auf 571 Millionen Mark geschätzt, weitere 343 Millionen haben die Zigaretten-Dreher bereits investiert. Eine weitere österreichische Skipleite konnte in diesem Fall Ende April gerade noch verhindert werden. Der Head-Aufsichtsrat genehmigte Generaldirektor Beppo Mauhart in einer höchst turbulenten Sitzung nämlich eine Finanzspritze von 143 Millionen Mark für die als strategische Diversifikation gedachte Sportartikelgruppe HTM (Head-Tyrolia-Mares).

Noch produziert die einstige Renommierbranche in Österreich fünfzig Prozent der auf dem Weltmarkt abgesetzten Bretter. Doch der hatte sich binnen fünf Jahren von elf auf kaum sechs Millionen Ski fast halbiert. Die dadurch entstandenen Überkapazitäten garantieren den großen Handelsorganisationen wie Intersport oder Zentrasport mit ihrer Nachfragemacht zumindest in Österreich und dem zweitwichtigsten Markt Deutschland Tiefstpreise auf einem Niveau, das unter jenem vor zwanzig Jahren liegt.