Er sei, meinte 1799 in einem Brief der spätere amerikanische Präsident Thomas Jefferson, "für eine sparsame und einfache Regierung, die alles, was sie von den öffentlichen Einkünften sparen kann, zur Abtragung der Staatsschulden verwendet". In modernen Zeiten haben sich nur wenige Politiker in Amerika an dieses finanzpolitische Diktum ihres großen Altvorderen gehalten. Amerikas Schulden liegen inzwischen bei weit über drei Billionen Dollar; allein in diesem Jahr wird das Etatdefizit mehr als 176 Milliarden Dollar betragen. Tendenz: steigend.

Nun machen sich die Republikaner in beiden Häusern des Kongresses in Washington einmal mehr daran, das Monster der roten Zahlen zu zähmen. Bis zum Jahr 2002 soll Amerikas Haushalt ausgeglichen sein. In dieser Woche begannen Senat und Repräsentantenhaus mit Beratungen über zwei republikanische Etatentwürfe, die, falls sie den Kongreß unbeschadet passieren, das Gesicht der Vereinigten Staaten verändern werden.

Der Anlaß dafür kommt nicht aus dem Ausland, wo in den letzten Wochen die Kritik an der amerikanischen Haushaltsführung erneut scharfe Töne angenommen hatte. Nicht nur Bundeskanzler Helmut Kohl rügte das amerikanische Haushaltsdefizit, als der Dollar Ende April auf immer neue Tiefstände rutschte. Auch der Präsident der EU-Kommission Jacques Santer monierte, Washington habe "nichts dafür getan, die fundamentalen wirtschaftlichen Probleme durch eine stärkere Verringerung der staatlichen Verschuldung anzugehen". Der japanische Finanzminister Masayoshi Takemura und sein französischer Kollege Edmond Alphandéry schlossen sich der Kritik an. Und der britische Schatzkanzler Kenneth Clarke mahnte, die Dollarschwäche könne nicht durch internationale Stützungskäufe der Notenbanken, sondern nur durch "eine vernünftige Wirtschafts- und Sozialpolitik zu Hause" bekämpft werden. Sogar der Internationale Währungsfonds, der seinen größten Anteilseigner Amerika nicht gerne öffentlich zur Brust nimmt, meldete sich kritisch zu Wort: "Die amerikanische Politik leidet heute unter mangelndem Ehrgeiz bei der Verringerung des Budgetdefizits", stellte der Chefökonom Michael Mussa fest.

Daran ändert auch die Tatsache nichts, daß die Neuverschuldung der Vereinigten Staaten ganz moderat aussieht, wenn man sie auf die eigene Wirtschaftsleistung bezieht. Wichtiger als die Relation zum eigenen Bruttoinlandsprodukt ist, daß der Fehlbetrag im Verhältnis zum weltweiten Kapitalangebot eine gewaltige Summe darstellt. Weil die Amerikaner selber nicht genug sparen, stehen sie beim Rest der Welt in der Kreide. Mehr als ein Viertel der weltweiten Kapitalflüsse nehmen sie Jahr für Jahr in Anspruch, um ihre Fehlbeträge in Haushalt und Außenhandel zu finanzieren.

Doch ihre Verantwortung für die Weltwirtschaft und den Dollarkurs schert Amerikas Innenpolitiker nur wenig. Den Republikanern geht es um anderes: um ein Versprechen, um das Ende des Wohlfahrtsstaats und um die Präsidentschaftswahlen im nächsten Jahr.

Im November 1994 war die Partei unter der Führung ihres wortgewaltigen Chefideologen Newt Gingrich mit dem Gelöbnis in die Kongreßwahlen gegangen, den Staat zu entschlacken, das Haushaltsdefizit zu beseitigen und die Regierung zu verkleinern. Gingrich und die Republikaner gewannen. Jetzt werden ihren Wählern die Konsequenzen präsentiert. Noch sind Details der Etatentwürfe Mangelware, und bis zur Verabschiedung des endgültigen Haushalts dürften mindestens fünf Monate harten politischen Kampfes vergehen. Aber an seinem Ende könnte der ohnehin baufällige amerikanische Wohlfahrtsstaat noch brüchiger dastehen. Nach den Vorstellungen der Republikaner sollen in den kommenden sieben Jahren von der Regierung in Washington insgesamt etwa eine Billion Dollar weniger ausgegeben werden, als bisher vorgesehen sind. Die größten Schnitte will man dort machen, wo - abgesehen von der sakrosankten Altersversicherung - potentiell am meisten Geld zu holen ist: bei den staatlichen Gesundheitsprogrammen für Senioren und arme Amerikaner, auf die rund zwanzig Prozent des Haushalts entfallen, mehr als auf jedes andere Ausgabenprogramm Washingtons. Sozial Schwache, Arbeiter und Alte, soviel ist jetzt schon klar, sollen am stärksten zur Kasse gebeten werden.

Einsparungen bei Medicare, der Versicherung für die Alten, sollen in sieben Jahren allein zwischen 250 und 270 Milliarden Dollar bringen; die Ausgaben im Jahr 2002 werden nach den Plänen der Republikaner statt bei 344 bei 257 Milliarden Dollar liegen. Der jährliche Zuwachs in den Aufwendungen wird zwar nur von zehn auf sieben Prozent gekürzt. Dennoch dürfte es für Ärzte, Patienten und Krankenhäuser einen spürbaren Rückgang von Einkommen und Leistungen geben.