Natürlich hätten Sie, geschätzter Leser, am Ende dieses sehr kompakten und gehaltvollen Feuilletons Anspruch auf ein bißchen leichte, gute Unterhaltung. Wir waren auch wirklich heute (Montag) morgen guten Willens, bester Dinge. Doch jetzt geht leider gar nichts mehr. "Erhöhtes Schlafbedürfnis" lähmt alle kreativen Triebe.

Morgen ging's vielleicht besser, aber auch nur morgen früh. Denn schon nachmittags drohen "leichte Herz- und Kreislauf-Belastungen", und da ist an so lebensgefährdende Aktivitäten wie das Schreiben gar nicht zu denken.

Mittwoch, das wäre ein toller Tag für Sie und für uns: "Kaum Spasmen, Koliken oder Krämpfe." Zu spät fürs Feuilleton. Mittwoch wird in dieser Zeitung der politische Teil produziert, diese Woche also fast ohne Spasmen, Koliken und Krämpfe.

Donnerstag könnten Sie dieses lesen, aber bitte lieber nicht! Denn Donnerstag sollten alle Leser, zumindest die "Herz-Kreislauf- Patienten" unter ihnen, jeglichen "Streß meiden". Der Freitag nicht viel besser, denn dann "könnten Rheumatiker Gelenkschmerzen haben", am Samstag immer noch "leichte Rheumaschmerzen". Sonntag dann, kein Wunder nach dieser Woche, ist "erhöhte Reizbarkeit" zu konstatieren.

Lassen wir es also lieber gleich bleiben! Zumal, wie wir nun schüchtern gestehen, der gestrige Sonntag (Muttertag) für uns alle ein Tag nie gekannter emotionaler Herausforderungen gewesen ist. Also Schluß.

Doch nun fällt uns (kurz vor Vatertag!) der alte Theaterintendant H. ein (Name und Anschrift sind der Redaktion bekannt). Für H. war jeder Tag ein schlechter Tag. Schien die Sonne: Föhn! Drückten die Wolken: Tiefdruck! Es hatte also alles von Anfang an gar keinen Zweck, das Leben nicht und die Theaterkunst erst recht nicht - an deren unvermeidlichem Scheitern aber nicht die Theaterkünstler schuld waren, sondern das Wetter, heute würde man sagen: das Biowetter (all unsere Zitate stammen übrigens aus der Muttertagsausgabe der großartigen Wiener Zeitung Kurier).

Eigentlich ein angenehmer, ein bequemer Zustand: Nicht wir selber bestimmen über unser Schicksal, schon gar nicht die Götter, bloß das Wetter. Die ganze große Weltgeschichte: eine Klimafrage, ein Wettersturz. Die Zeitungen sollten also ihre Diplomleitartikler entpflichten und das Zeitgeschehen von Diplommeteorologen kompetent kommentieren lassen.